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  • Wallis Bird – „I Can See Your House From Here“ im Fokus: Platte der Woche

    Wallis Bird – „I Can See Your House From Here“ im Fokus: Platte der Woche

    LGR Reutlingen – 08 Juni 2026 | Die aktuelle Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 ist mehr als ein bloßes Musikwerk – sie ist ein Spiegelbild der Zeit, in der sie entstanden ist. Die in Berlin lebende Irin verbindet in ihrem achten Studioalbum intime Verluste mit den kollektiven Wunden einer polarisierten Welt und schafft damit ein Stück, das zugleich persönlich, politisch und musikalisch anspruchsvoll ist.

    Wallis Bird, deren Wurzeln im irischen Singer‑Songwriter‑Umfeld liegen, hat sich über die letzten Jahre zu einer festen Größe im europäischen IndieFolk etabliert. Mit I Can See Your House From Here geht sie jedoch einen Schritt weiter: Sie übernimmt die Produktion selbst, was dem Album einen besonders direkten, fast schon ungefilterten Klang verleiht. Der Titel, ein Hinweis auf die Nähe zwischen Menschen – selbst wenn sie sich als Gegner sehen – zieht sich wie ein roter Faden durch die elf Songs.

    Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 – Ein Blick hinter die Musik

    Die Entstehungsphase war von zwei tragischen Ereignissen geprägt: dem plötzlichen Tod ihres langjährigen Freundes Kevin Ryan und den erschütternden Bildern aus dem Krieg in Gaza. Bird lässt diese beiden Ebenen nicht getrennt voneinander wirken, sondern verknüpft sie zu einem Gesamtkonzept, das den Hörer dazu zwingt, sowohl die eigene Trauer als auch die globale Unsicherheit zu reflektieren.

    Musikalisch bewegt sich das Album zwischen zarten Folk‑Arrangements und kraftvollem Indie‑Rock. Die Produktion ist bewusst minimalistisch – häufig zurückgenommene Gitarren, dezente Percussion und ein klarer Gesang, der fast schon wie ein Gespräch wirkt. Diese Zurückhaltung schafft Raum zum Atmen, lässt die Texte jedoch umso stärker resonieren.

    Ein herausragender Moment ist der Opener And So Turns The Wheel. Der Song verarbeitet den Verlust von Kevin Ryan mit einer Mischung aus melodiöser Schwere und hoffnungsvollen Akkorden. Die Zeile „Ich habe das Licht verloren, doch das Rad dreht sich weiter“ verdeutlicht, wie Bird den Schmerz als Antrieb für Gemeinschaft und Neubeginn versteht.

    Der mittlere Teil des Albums, etwa in Why Is Peace Problematic und Grieving Is The Price You Pay For Love, wechselt zwischen persönlicher Trauer und gesellschaftskritischen Fragen. Bird fragt nach, warum Empathie in einer zunehmend fragmentierten Welt immer schwieriger zu finden ist. Ihre Antwort ist kein Patentrezept, sondern ein Aufruf zum Dialog: „Viele um mich herum können das nicht verkraften, die Traurigkeit ist zu viel – und doch haben sie so viel zu geben.“

    Ein weiterer Höhepunkt ist Let Me Buy You Flowers, ein scheinbar einfacher Liebessong, der jedoch als Metapher für kleine Gesten der Solidarität dient. Durch das Bild der Blumen wird deutlich, dass selbst kleinste Akte der Fürsorge in Zeiten kollektiver Angst eine enorme Wirkung entfalten können.

    Die Schlusssequenz mit The Good Of The People und I’m Your Witness lässt das Album nicht in einer düsteren Stimmung enden, sondern bietet einen leisen Optimismus. Bird betont, dass das Zeugen von Leiden zugleich ein Akt des Mitgefühls sein kann, wenn man bereit ist, zuzuhören und zu handeln.

    Die Produktion in Eigenregie ist ein entscheidender Faktor für die Intensität des Werks. Ohne externe Eingriffe bleibt das Klangbild roh, fast schon ungefiltert. Das Ergebnis wirkt geschlossen, als ob die Songs in einem einzigen, zusammenhängenden Gespräch entstanden wären – ein Ansatz, den nur wenige Künstler heute noch wagen.

    Im Vergleich zu anderen Alben, die denselben Titel tragen – etwa die Progressive‑Rock‑Interpretation von Camel oder das instrumentale Jazz‑Projekt von John Scofield und Pat Metheny – sticht Bird durch die emotionale Direktheit hervor. Während Camel und die Jazz‑Kollaboration eher konzeptionelle Experimente darstellen, setzt Bird auf Narrative, die sowohl das persönliche Erleben als auch die gesellschaftliche Realität einbinden.

    Für die Berliner Musikszene bedeutet das Album einen weiteren Meilenstein. Wallis Bird hat sich in den letzten Jahren nicht nur als Performer, sondern auch als Produzentin etabliert. Ihr Studio im Prenzlauer Berg ist nun ein Ort, an dem Künstlerinnen und Künstler ermutigt werden, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, ohne Kompromisse bei der Produktion einzugehen.

    Der kommerzielle Erfolg wird wahrscheinlich moderat ausfallen – das Album richtet sich eher an ein Nischenpublikum, das tiefere Texte und ungeschönte Klanglandschaften sucht. Dennoch ist das Potenzial für langfristige Resonanz groß, besonders wenn man bedenkt, dass die Themen von Trauer, Empathie und politischer Verantwortung zeitlos sind.

    Zusammengefasst ist I Can See Your House From Here ein mutiges Werk, das nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich relevant ist. Wallis Bird zeigt, dass Trauer kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt für Gemeinschaft, Hoffnung und künstlerische Innovation sein kann. Die Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 ist damit ein eindringlicher Appell, die Nähe zu den Mitmenschen wieder zu entdecken – selbst wenn die Welt von außen betrachtet in Trümmern liegt.

  • Laney Prism-Mini im Test: Großer Sound in kleiner Box – Ein kompaktes Powerhouse für unterwegs

    Laney Prism-Mini im Test: Großer Sound in kleiner Box – Ein kompaktes Powerhouse für unterwegs

    LGR Reutlingen – 07 Juni 2026 | Es gibt nur wenige Hersteller, die den Sound ganzer Musikgenres geprägt haben. Laney, der britische Verstärkerpionier, gehört zweifellos dazu. Vor fast 60 Jahren verhalf das Unternehmen einem jungen Tony Iommi mit dem LA100BL zum ikonischen Sabbath-Sound und legte damit den Grundstein für den Metal. Sechs Jahrzehnte später hat sich die Welt der Gitarrenverstärker radikal verändert. Digitale Modelling-Verstärker dominieren den Markt, während kraftvolle Röhren-Amps mit dreistelligen Wattzahlen und ohne Master Volume für die aktuelle Generation an Bedroom-Shreddern und TikTok-Gitarristen kaum noch relevant sind. Auch Laney hat sich weiterentwickelt und bietet mit dem Laney Prism-Mini einen kompakten Verstärker, der speziell für den Einsatz zwischen Wohnzimmer, Park-Jam-Sessions und lautlosem Üben im Reisebus konzipiert wurde. Unser Laney Prism-Mini im Test zeigt, ob der kleine Amp hält, was er verspricht.

    Laney Prism-Mini im Test: Großer Sound in kleiner Box – Das erste Fazit

    Der Laney Prism-Mini kommt in einem schlichten Karton, der nahezu vollständig vom Verstärker ausgefüllt wird. Beiliegend sind nur ein kleines Booklet mit Sicherheitshinweisen und ein USB-C-Kabel zum Laden des internen Akkus. Das Gehäuse aus sattblauem Kunststoff ist deutlich am Styling der beliebten Lionheart-Serie orientiert – eine schwarze Version im Ironheart-Look ist ebenfalls erhältlich. Auf der Rückseite finden sich ein Kopfhöreranschluss im 3,5-mm-Klinkenformat und der USB-C-Anschluss. Leider fehlen ein Gürtelclip oder eine Aufnahme für einen Tragegurt, was die mobilen Aspekte des Amps noch unterstreichen würde. Dennoch ist der Laney Prism-Mini handlich genug, um schnell im Handgepäck zu verschwinden.

    Nach dem Einschalten überrascht das hochwertige 1,77-Zoll-Farbdisplay, das mit einer Diagonale von etwa 4,5 cm perfekte Abmessungen für den Heimgebrauch bietet. Das aktuell ausgewählte Preset, der Akkuladestand und die aktiven Effektblöcke lassen sich auch auf Armlänge gestochen scharf ablesen. Die gesamte Menüführung erfolgt über einen großen, gerasterten Parameter-Drehregler, der gleichzeitig als Eingabe-Button dient. Dreht man den Regler gleich nach dem Anschalten, kann man sich durch die 100 Presets hören – die ersten 50 sind als Factory-Presets markiert und bieten Klassiker vom Brown-Sound für Van-Halen-Fans über eine gelungene Interpretation von Prince’ „Purple Rain“ bis hin zu Blues-Sound à la B.B. King. Die hinteren 50 User-Presets sind ab Werk mit den Factory-Presets identisch und können nach Belieben überschrieben werden.

    Modelling und Effekte: Ein digitales Kraftpaket

    Hier beginnt der eigentliche Spaß. Mit 17 verschiedenen Amp-Simulationen und 32 Effekten lässt sich eine Menge anstellen. Jedes Preset ist gleich aufgebaut und bietet acht DSP-Blöcke: zwei für Amp und Cabinet, sowie je einen für Modulation, Delay, Reverb, EQ, Drive und einen weiteren Block für Pre-Effekte wie Kompressor oder Noise Gate. Manche Blöcke lassen sich in der Effektreihenfolge verschieben, allerdings nur eingeschränkt – so ist es nicht möglich, das Noise Gate zwischen Drive-Pedal und Amp zu platzieren. Wer seinen Delay-Effekt lieber vor dem Reverb haben möchte, kann das mit wenigen Klicks umsetzen. Die Bearbeitung ist intuitiv: Ein Klick auf den Parameter-Regler wählt einen Effekt aus, im Untermenü lässt er sich an- oder ausschalten, der Effekttyp auswählen und die Parameter anpassen.

    Für die Wiedergabe sorgen zwei speziell für den Laney Prism-Mini gefertigte 1,5-Zoll-Custom-Lautsprecher in Stereo-Konfiguration. Mit insgesamt 6 Watt Leistung können sie natürlich nicht mit der Fülle eines 12-Zoll-Lautsprechers mithalten, aber sie überraschen mit einem erstaunlich kraftvollen Sound, der auch anspruchsvolle Raumeffekte klar und differenziert artikuliert. Besonders im Vergleich mit Referenztracks, die sich per Bluetooth einspielen lassen, zeigt sich die Qualität der Lautsprecher. Die Ansprache ist knackig und responsiv, lediglich die tiefen Sub-Bässe gehen im Gesamtmix manchmal unter. Wer das volle klangliche Potenzial ausschöpfen möchte, wechselt besser auf ein gutes Paar Studio-Kopfhörer. Im Test mit einem Audio-Technica ATH-M50X und einem Beyerdynamic DT 770 PRO offenbart sich bereits ab den ersten Tönen, dass hier professionelles Modelling unter der Haube steckt. Der Laney Prism-Mini ist keine Spielerei, sondern ein ernstzunehmendes Sound-Aggregat.

    Audio-Interface und App-Steuerung

    Der USB-C-Anschluss dient nicht nur zum Laden, sondern auch als Audio-Interface für Aufnahmen in professioneller Qualität. Wer einen Audio-PC, ein Tablet mit DAW oder ein ähnliches Gerät besitzt, kann den Laney Prism-Mini nahtlos in sein Setup integrieren und die internen Sounds mit gängiger Recording-Software aufnehmen. Die dazugehörige Tone Wizard App für iOS und Android bietet zwar keine neuen Effektparameter, aber einen exklusiven Zugriff auf eine Drum-Sektion mit verschiedenen Loops aus Electronic, Pop, Funk und World Music. Tempo und Lautstärke sind anpassbar, die Wiedergabe lässt sich steuern. Allerdings muss eine Verbindung per Bluetooth Audio hergestellt sein, damit die Drums über den Laney Prism-Mini abgespielt werden – sonst ertönen sie aus dem Smartphone.

    Der Laney Prism-Mini im Test zeigt: Für knapp über 100 Euro bekommt man erstaunlich gut klingende Gitarrensounds, eine kompakte Boombox für Küche und Wohnzimmer und einen praktischen Begleiter für unterwegs. Die allgemeine Klangqualität, das Design und die Bedienbarkeit sind top, lediglich die beiden Stereo-Lautsprecher stoßen bei höheren Lautstärken an ihre Grenzen. Wer ein gutes Paar Kopfhörer dabei hat, kann dem Laney Prism-Mini sagenhafte Sounds entlocken. Pro: Erstaunlich gute Modelling-Sounds, handliches Design, gute Bedienbarkeit, umfangreicher Funktionsumfang. Contra: Lautsprecher kommen schnell an ihre Grenzen, Drum-Sektion nur per Smartphone-App nutzbar.

  • Devin Townsend präsentiert mit ‚The Moth‘ sein ambitioniertestes Werk

    Devin Townsend präsentiert mit ‚The Moth‘ sein ambitioniertestes Werk

    LGR Reutlingen – 31 Mai 2026 | Mit der Veröffentlichung seines neuen Albums ‚The Moth‘ am 29. Mai 2026 läutet Devin Townsend ein neues Kapitel seiner musikalischen Laufbahn ein. Nach mehr als einem Jahrzehnt harter Arbeit präsentiert der kanadische Musiker eine 24 Songs umfassende Rockoper, die es in sich hat und die von vielen als sein Lebenswerk angesehen wird. Townsend selbst beschreibt das Album als eine monumentale Verbindung aus Progressive Metal, orchestralen Klängen, Chorarrangements und theatralischer Inszenierung.

    Die Wurzeln von ‚The Moth‘ reichen bis in die Mitte der 2010er-Jahre zurück, als Townsend erstmals die Idee eines groß angelegten Musiktheaters äußerte. Die Themen Identität, Macht, Spiritualität und persönliche Transformation sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Was zunächst als kaum umsetzbare Vision erschien, nahm konkrete Formen an, als Townsend die Möglichkeit erhielt, mit dem renommierten Noord Nederlands Orkest und einem großen Chor zusammenzuarbeiten. Aus der ursprünglich angedachten Bühnenproduktion entwickelte sich schließlich ein Studioalbum, das nun den Abschluss eines über ein Jahrzehnt andauernden kreativen Prozesses markiert.

    Musikalisch geht ‚The Moth‘ weit über die Grenzen eines klassischen Metal-Albums hinaus. Die Mischung aus orchestralen Passagen, Chören und progressiven Arrangements trifft auf die für Townsend charakteristische Verbindung von Härte und Melodie. Die erste Single ‚Enter The City‘, die bereits veröffentlicht wurde, zeigt eindrucksvoll, wie konsequent der Künstler seine Vision verfolgt. Unterstützt wird er dabei von Größen wie dem Gitarrenvirtuosen Steve Vai und der Sängerin Anneke van Giersbergen, die auf mehreren Stücken zu hören sind.

    Im Jahr 2025 konnten Fans bereits Teile des Materials erleben, als Townsend ‚The Moth‘ in einer aufwendigen Produktion mit Sinfonieorchester und Chor im niederländischen Groningen aufführte. Die Konzerte, die als eines der größten und kostspieligsten Projekte seiner Karriere gelten, hinterließen einen bleibenden Eindruck und weckten das Interesse an der Studiofassung, die nun veröffentlicht wird.

    Das Album umfasst insgesamt 24 Titel, darunter ‚War Beyond Words‘, ‚The Moth‘, ‚Ode To My Eye‘, ‚A Proxy For God‘ und ‚Metamorphosis‘. Townsend thematisiert in seinem Werk destruktive Verhaltensmuster und persönliche Veränderungen, die sich wie ein roter Faden durch die komplexe Erzählung ziehen. Die Veröffentlichung von ‚The Moth‘ könnte kaum passender kommen. Nach einer längeren Live-Pause plant Townsend, im Herbst 2026 wieder auf die Bühne zurückzukehren, was das Album nicht nur zu einem Abschluss eines langjährigen Projekts, sondern auch zu einem Startpunkt für neue musikalische Abenteuer macht.

    Insgesamt lässt sich sagen, dass ‚The Moth‘ eine umfassende Reflexion von Devin Townsends bisherigen musikalischen Erfahrungen darstellt und Fans sowie Kritiker gleichermaßen begeistern dürfte. Die Tracklist des Albums umfasst:

    • Semi-Prologue
    • War Beyond Words
    • The Moth
    • Ode To My Eye
    • Enter The City
    • Covered By Causes
    • Lexin
    • Runaways
    • A Proxy For God
    • The Mothers
    • Orion
    • Stay There
    • Home At Night
    • Intermission
    • Lexin Returns
    • The Clergy
    • Prepare For War
    • The Big Snit
    • Silver Princess
    • A Life In Review
    • Metamorphosis
    • Stained Hearts
    • Let Go
    • We Don’t Deserve Dogs

    Mit der Veröffentlichung von ‚The Moth‘ am 29. Mai 2026 und der bevorstehenden Rückkehr auf die Bühne stellt Devin Townsend erneut unter Beweis, dass er einer der innovativsten Künstler seiner Generation ist, der stets bestrebt ist, neue musikalische Horizonte zu erkunden.

  • Mk.gee Gitarrensound: Warum gerade alle Gitarristen über ihn sprechen

    Mk.gee Gitarrensound: Warum gerade alle Gitarristen über ihn sprechen

    LGR Reutlingen – 28 Mai 2026 | In der Welt der modernen Gitarrenmusik hat sich Michael Todd Gordon, besser bekannt als Mk.gee, in beeindruckend kurzer Zeit zu einer der aufregendsten Stimmen entwickelt. Der Musiker und Produzent aus New Jersey verfolgt einen innovativen Ansatz, der sich den traditionellen Klischees entzieht. Durch die Fusion von Lo-Fi-R&B, zerbrechlichen Tape-Texturen und Jazz-Harmonien schafft er eine Klangsprache, die sowohl vertraut als auch ungewöhnlich wirkt.

    Sein jüngstes Album ‘Two Star & The Dream Police’ zeigt, dass Mk.gee weit mehr als ein typischer Indie-Gitarrist ist. Die Stücke scheinen Klangräume zu bilden, die durch Zeit und Erinnerung leicht verzerrt erscheinen. Mk.gee beschreibt diesen Effekt als „liminal“, was er in einem Interview mit BBC Radio 1 erklärt: „Ein liminaler Raum ist etwas, das dir gleichzeitig vertraut und fremd vorkommt.“ Diese Definition spiegelt sich in seinen Kompositionen wider, die oft zwischen Vertrautheit und Entfremdung schwanken.

    Für Gitarristen ist die Faszination seines Sounds von zentraler Bedeutung, denn er entfernt sich bewusst von klassischem Tone-Chasing und Perfektionismus. Mk.gees Musik lebt von Imperfektion, von Artefakten und Instabilität. Während viele Produktionen heutzutage darauf abzielen, makellos zu klingen, interessiert ihn genau das Gegenteil: der raue, ungeschliffene Charakter seiner Klänge.

    Die Gitarre fungiert bei Mk.gee weniger als klassisches Lead-Instrument, sondern vielmehr als emotionale Klangquelle. Viele seiner Parts bestehen aus Fragmenten, einzelnen Anschlägen, kurzen Slides oder rhythmischen Akzenten. Diese Herangehensweise schafft eine Dynamik, die ständig zwischen Kontrolle und Chaos pendelt. Noten scheinen gelegentlich abrupt abzubrechen, Akkorde wirken „unfertig“ und erzeugen so eine fragile Atmosphäre, die an gechoppte Loops oder manipulierte Tape-Fragmente erinnert. Besonders in Stücken wie ‘Dream Police’ oder ‘Are You Looking Up’ wird deutlich, dass die Gitarren mehr als nur melodische Begleitung bieten; sie schaffen atmosphärische Bewegungen.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt seines Sounds ist der bewusste Minimalismus. Viele Songs auf ‘Two Star & The Dream Police’ entstehen mit wenigen Elementen, wobei die Größe nicht durch komplexe Arrangements, sondern durch die Andeutung von Energie entsteht. Mk.gee selbst beschreibt dies als psychologischen Trick: „Große Momente funktionieren oft besser, wenn sie nur impliziert werden, statt tatsächlich riesig produziert zu sein.“

    Obwohl viele Hörer beim ersten Hören an Lo-Fi oder Alternative denken, hat Mk.gee einen tiefen musikalischen Hintergrund, der seine Herangehensweise prägt. Er bezeichnet sich als „Jazz Kid“ und bringt Einflüsse aus dem Jazz und Funk in sein Spiel ein. Dabei zeichnet sich sein Stil weniger durch harmonisches Spiel als durch rhythmische Spannung und dynamische Variationen aus. Ein klarer Einfluss von Funk-Gitarristen wie Prince oder Larry Graham ist erkennbar, nicht tonal, sondern rhythmisch. Seine Anschläge wirken oft wie perkussive Impulse, die den Groove zwischen den Noten erzeugen.

    Ein zentrales Element seines Sounds ist die Fender Jaguar, die er jedoch anders nutzt als gewohnt. Mit Flatwound-Saiten bespannt, produziert sie einen dumpfen, holzigen Ton, der an einen verstimmten Synth-Bass erinnert. Die kürzere Mensur und das Floating-Tremolo der Jaguar tragen zu einer instabilen und perkussiven Ansprache bei, die perfekt zu Mk.gees unkonventionellem Stil passt.

    Ein entscheidender Bestandteil seines Sounds ist der Roland VG-8, ein Gerät, das viele Gitarristen nicht mehr verwenden. Mk.gee nutzt die frühen Modeling-Algorithmen des VG-8, die instabile Resonanzen und digitale Artefakte erzeugen. Diese „Fehler“ sind für ihn bewusst gewählt und verleihen seinen Klängen eine emotionale Tiefe. In Kombination mit einem Roland GK-2A MIDI-Pickup wird der VG-8 zum Zentrum vieler seiner Sounds, die zwischen Gitarre und Synthesizer oszillieren.

    Ein weiteres Werkzeug, das er oft verwendet, ist das TASCAM Portastudio 424 MKI, das er nicht nur zum Aufnehmen, sondern auch zur Sättigung und Verzerrung seiner Klänge nutzt. Diese bewusste Übersteuerung der Transienten und das Spiel mit Tape-artigen Verzerrungen verleihen seinen Gitarrenparts eine charakteristische Klangfarbe, die oft an Sampling-Ästhetik erinnert.

    Mk.gees Klangästhetik funktioniert auch auf psychoakustischer Ebene. Die instabilen Delays, Tape-Wobble und die leichten Verzerrungen erzeugen beim Hörer ein Gefühl von Nostalgie und Verletzlichkeit. Seine Musik klingt wie eine Erinnerung, die langsam zerfällt, und das verleiht seinen Stücken eine emotionale Tiefe, die in modernen Produktionen oft verloren geht.

    Sein Pedalboard ist ebenfalls unkonventionell. Statt klassischer Vintage-Logik setzt er auf Geräte, die Atmosphäre und Instabilität erzeugen. Effekte wie der Chase Bliss Mood MKI oder der Boss CE-2W Chorus dienen weniger als offensichtliche Klangveränderungen, sondern eher als subtile Schattierungen im Gesamtbild.

    Die Reaktionen junger Gitarristen auf Mk.gees Sound sind bemerkenswert. Er ist möglicherweise einer der ersten Gitarristen, die in einer Generation aufgewachsen sind, die mit DAWs, Sampling und Sounddesign vertraut ist. Er verbindet Spielweise und Produktion, sodass die Gitarre für ihn nicht mehr nur ein Instrument ist, sondern ein integraler Bestandteil eines umfassenden Klangsystems. Dies scheint den Nerv vieler junger Musiker zu treffen, die einen Fokus auf Charakter und Individualität legen, anstatt auf perfekten Vintage-Sound oder technische Virtuosität.

    Wer den Mk.gee-Sound nachahmen möchte, sollte sich auf Textur, Dynamik und Instabilität konzentrieren. Der Einsatz von Flatwound-Saiten und älteren digitalen Modelern wie dem Roland VG-8 sind entscheidend. Die Imperfektionen dieser Systeme sind Teil der Ästhetik. Auch Modulationseffekte sollten subtil eingesetzt werden, um kleine Schwankungen zu erzeugen, die den Klang lebendig machen. Vor allem aber ist es die Reduktion und der bewusste Umgang mit Dynamik, die Mk.gees Stil so einzigartig machen.