Tag: Musik

  • Tschss Jugend Zwei: Leipzigs größtes DIY‑Festival wächst weiter

    Tschss Jugend Zwei: Leipzigs größtes DIY‑Festival wächst weiter

    LGR Reutlingen – 22 Juni 2026 | Das Festival Tschss Jugend Zwei startet vom 19. bis 21. Juni 2026 und verwandelt erneut die Leipziger Neustadt sowie die angrenzende Vorstadt in einen pulsierenden Musikparcours. Mehr als hundert Bands treten auf über zehn Locations – von kleinen Clubs bis zu improvisierten Freiluftbühnen – und zeigen damit, dass das DIY‑Prinzip nach wie vor ein starkes Gegengewicht zu kommerziellen Großevents bildet.

    Tschss Jugend Zwei: Das Konzept im Detail

    Wie im Vorjahr bleibt das Grundgerüst des Festivals unverändert: kompakte Bühnen, kurze Wege und ein Mix aus internationalen Headlinern und regionalen Newcomern. Die Veranstalter Lars Pler und Tobias Hornung, die seit Jahren DIY‑Shows in Dresden organisieren, haben das Line‑up für 2026 bewusst ausgedehnt. Während 2025 noch sechs Locations und 45 Acts das Programm bestimmten, zählen es nun elf Veranstaltungsorte und über einhundert Acts. Die Erweiterung ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ: Neben etablierten Namen wie Turbostaat, The Flatliners und Dune Rats treten nun auch die kanadische Punk‑Band Basement sowie die US‑Hardcore‑Gruppe Fiddlehead auf.

    Die neuen Locations zeigen, wie flexibel das Festival mit urbanen Räumen umgeht. Die Schauburg und das Thalia‑Kino werden zu Konzertbühnen umfunktioniert, die Chemiefabrik in der Leipziger Vorstadt bietet ein industrielles Flair, und Katys Garage wird zur Pistons Stage. Bewährte Klassiker wie die Groovestation, das Loft House oder die HD Rock‑Metalbar bleiben erhalten, sodass Besucher*innen zwischen den Bühnen mühelos hin- und herwechseln können – ein Konzept, das das Festival als „Club‑Hopping‑Erlebnis“ vermarktet.

    Ein Blick auf das Line‑up

    Internationales Renommee trifft auf lokale Vielfalt. Auf der Chemiefabrik öffnen Basement und Fiddlehead die Tore für das Publikum, während die abschließende Show in der Groovestation von Turbostaat besetzt wird. Dune Rats aus Australien, die kalifornischen The Flatliners und die schwedische Punk‑Band Casey sorgen für abwechslungsreiche Klanglandschaften, während Militarie Gun und High Vis das Publikum mit härteren Tönen herausfordern.

    Die Region Leipzig ist nicht zu kurz gekommen: Remo, The Melmacs und die aufstrebende Gruppe beryou sichern sich ebenfalls Auftritte. beryou spielt im Ostpol, einer ehemaligen Sauna, die zu einer nostalgischen Open‑Air‑Bühne umgebaut wurde – ein Beispiel dafür, wie das Festival ungenutzte städtische Räume kreativ nutzt.

    Ein weiteres Highlight ist die Album‑Release‑Show der US‑Band Between Bodies, die am Samstag in der Schauburg stattfindet. Neben den Konzerten gibt es im Thalia‑Kino eine kostenfreie Open‑Air‑Bühne auf dem Scheune‑Vorplatz, die den Besucher*innen jederzeit freien Eintritt ermöglicht.

    Das umfangreiche Line‑up wird über die Plattform Tixforgigs.com und die offizielle Festival‑Website www.farewellyouth.com vertrieben. Die Organisatoren betonen, dass sämtliche Erlöse aus dem Ticketverkauf an Kinderhilfsorganisationen in Dresden gehen – ein weiterer Beleg für den gemeinnützigen Charakter des Events.

    Die Idee zum Festival lässt sich auf das Reeperbahn‑Festival in Hamburg zurückführen, das als Vorbild für ein unabhängiges, musikzentriertes Ereignis diente. Pler und Hornung haben ihr Netzwerk aus jahrelanger DIY‑Show‑Organisation genutzt, um Bands ohne große Agentur zu buchen. Das Ergebnis ist ein Festival, das sich durch Authentizität, niedrige Eintrittspreise und ein starkes Community‑Feeling auszeichnet.

    Ein besonderes Merkmal des diesjährigen Events ist die offene Fenster‑Bühne am Horst, die im Vorjahr noch als zentraler Treffpunkt diente. Dieses Jahr wird das Konzept durch das Thalia‑Kino ersetzt, das mit großen Fensterflächen zur Straße hin eine offene Atmosphäre schafft. Besucher*innen, die keinen Platz mehr im Inneren finden, können von draußen zuhören – ein Hinweis darauf, dass das Festival nicht nur ein Konzert, sondern ein urbanes Erlebnis sein will.

    Die wirtschaftliche Bedeutung von Tschss Jugend Zwei für die Leipziger Musikszene darf nicht unterschätzt werden. Neben der direkten Wertschöpfung durch Ticketverkäufe und Gastronomie generiert das Festival indirekt Einnahmen für lokale Geschäfte, Hostels und Anreisende. Für viele junge Bands stellt das Festival zudem eine Plattform dar, um überregionales Publikum zu erreichen und Kontakte zu Booking‑Agents zu knüpfen.

    Langfristig könnte das Wachstum des Festivals ein Signal für die zunehmende Bedeutung von DIY‑Events in einer Zeit sein, in der große Streaming‑Plattformen und digitale Konzerte an Dominanz gewinnen. Der Fokus auf physische Begegnungen, lokales Engagement und soziale Verantwortung könnte als Gegenmodell zu den profitgetriebenen Großveranstaltern gelten.

    Ob das Festival in den kommenden Jahren weiter expandieren wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Tschss Jugend Zwei im Juni 2026 erneut ein Magnet für Musikliebhaber, Branchenakteure und Kulturinteressierte aus ganz Europa sein wird – ein Beleg dafür, dass Leipzigs unabhängige Musikszene weiterhin vital und innovationsfreudig ist.

  • Heute schon eine Giraffe gewürdigt? Die Flut der Gedenktage und ihr Sinn

    Heute schon eine Giraffe gewürdigt? Die Flut der Gedenktage und ihr Sinn

    LGR Reutlingen – 21 Juni 2026 | Wien – Heute schon eine Giraffe gewürdigt? Wenn nicht, könnte es höchste Zeit sein. Denn der 21. Juni ist nicht nur der Welttag der Giraffe, sondern auch der Welttag der Musik, des Smoothies, des Motorrads, des Yoga, der Muschel und noch einiger anderer Anlässe. Wer an diesem Tag alle zelebrieren möchte, müsste morgens nach einer erholsamen Nacht den Tag des Schlafes feiern, zum Frühstück einen Smoothie trinken, eine Yoga-Einheit absolvieren, dabei Musik hören, ein Selfie mit einer Giraffe posten, auf dem Skateboard zum Motorrad fahren, unterwegs eine Muschel bewundern, einen Gong schlagen und sich zur Belohnung einen Pfirsich mit Sahne gönnen – sofern keine Lebensmittelallergie dagegen spricht. Klingt absurd? Ist es auch. Und es wirft die Frage auf: Wieviel Gedenktag verträgt der Mensch?

    Neben den religiösen und staatlichen Feiertagen – Österreich hat immerhin 13 gesetzliche – gibt es eine schier unüberschaubare Zahl sogenannter Ehrentage wie Vatertag und Muttertag. Dazu kommen skurrile Gedenktage wie der Welttoilettentag (19. November) oder der Tag der verlorenen Socke (9. Mai). Doch die Dimension ist größer: Abhängig von der Quelle, der man sich bedient, existieren mehr als 3.000 Welttage, Internationale Tage und Aktionstage. Das Jahr hat 365 Tage – statistisch ist jeder Tag mit 8,5 Anlässen belegt. Wie soll ein durchschnittlicher Mensch das alles unter einen Hut bringen?

    Die Idee hinter den Gedenktagen

    Grundsätzlich ist der ursprüngliche Gedanke ehrenwert. Gedenktage dienen dazu, das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Sie sollen verhindern, dass historische Tragödien in Vergessenheit geraten, und die Aufmerksamkeit auf aktuelle gesellschaftliche, gesundheitliche oder ökologische Themen lenken. Soweit so gut. Doch bei über 3.000 Anlässen stellt sich die Frage, ob dieser Anspruch für jeden einzelnen gilt. Heute schon eine Giraffe gewürdigt? – der Welttag der Giraffe mag auf die bedrohte Tierart aufmerksam machen, aber zwischen dem Tag der Bienen und dem Tag der Socke verschwimmt die Grenze zwischen sinnvoller Aufmerksamkeit und kreativer Kalenderfüllung.

    Es wirkt, als würde verzweifelt versucht, jede freie Lücke im Kalender mit irgendeinem Anlass zu füllen. Und es würde nicht wundern, wenn bald der internationale Tag des leicht schief hängenden Bilderrahmens oder der Welttag der zweiten Schublade von oben folgt. Doch es wäre zu einfach, sich nur darüber lustig zu machen. Die Zahl der Aktionstage ist inzwischen so groß, dass ihre Wirkung manchmal ins Gegenteil umschlägt. Wenn jeden Tag mehrere Dinge unsere besondere Aufmerksamkeit verdienen, bekommt am Ende keines mehr wirklich Beachtung.

    Musik als Gegenbeispiel

    Dabei finden sich zwischen all den kuriosen Aktionstagen immer wieder Themen, die tatsächlich einen Blick wert sind. Der heutige Welttag der Musik gehört zweifellos dazu. Musik begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Sie verbindet Menschen über Sprachgrenzen hinweg, tröstet, motiviert, begeistert und schafft Erinnerungen. Kaum etwas kann so unmittelbar Gefühle auslösen wie ein Lied. Jeder Mensch hat Melodien, die ihn an bestimmte Augenblicke seines Lebens erinnern – an die erste Liebe, an eine Reise, an eine Familienfeier oder an einen Moment des Abschieds. Deswegen braucht die Musik eigentlich gar keinen eigenen Aktionstag. Denn sie ist ohnehin jeden Tag präsent – im Radiowecker, beim morgendlichen Ritual, im Autoradio, im Kopfhörer beim Spaziergang, in der Bar, im Konzertsaal, beim Kochen und beim Entspannen.

    Vielleicht liegt darin eine Lehre aus der Flut der Aktionstage: Nicht alles, was wichtig ist, braucht einen Eintrag im Kalender. Manche Dinge verdienen Aufmerksamkeit, weil sie unser Leben jeden Tag aufs Neue bereichern. Und so darf man über den Welttag der Socke, den Tag des Pfirsichs mit Sahne oder den Gong-Tag ruhig schmunzeln. Dem Welttag der Musik hingegen kann man guten Gewissens gratulieren. Denn wenn es etwas gibt, das Menschen auf der ganzen Welt tatsächlich verbindet, dann sind es nicht Socken, Giraffen oder Selfies – es ist die Musik. Und die hat ihren großen Auftritt nicht nur heute, sondern an jedem einzelnen Tag des Jahres. Heute schon eine Giraffe gewürdigt? Vielleicht, aber vor allem sollte man heute die Musik feiern – und morgen einfach wieder.

    Kalenderhighlights der Skurrilität

    Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, welche Skurrilitäten der Kalender noch bereithält, hier ein Auszug der schrägsten Aktions- und Ehrentage – alleine im Juni:

    • 1. Juni: Tag der besseren Hautpflege-Gewohnheiten, Wirf-eine-Münze-Tag, Tag der Game-Show
    • 2. Juni: Verlass-früh-die-Arbeit-Tag, Ich-liebe-meinen-Zahnarzt-Tag, Tag des Brathähnchens
    • 3. Juni: Wiederhole-alles-Tag
    • 4. Juni: Umarme-Deine-Katze-Tag, Tag des Einkaufswagens
    • 5. Juni: Tag des Würstchens im Blätterteig
    • 6. Juni: Sprich-langsam-Tag, Tag gegen Bettwanzen
    • 20. Juni: Nimm-Deine-Katze-mit-zur-Arbeit-Tag (am 20. Juni soll man seinen Hund mitnehmen)
    • 21. Juni: Tag der Küchenabluftfilterreinigung, Iss-Dein-Gemüse-auf-Tag
    • 22. Juni: Welttag des Schlenderns (auch Weltbummeltag)
    • 23. Juni: Tag des Teilens von positivem Content in den Medien
    • 24. Juni: Tag der Weltherrschaft der Katzen

    Im Juli geht es weiter mit dem Habe-ich-vergessen-Tag (2.7.), Schmeichle-Deinem-Spiegelbild-Tag (3.7.), Tag der Schriftart Comic Sans (4.7.), Brate-Eier-auf-dem-Gehweg-Tag (4.7.), Umarme-virtuell-einen-Virtuellen-Assistenten-Tag (6.7.), Lade-Deinen-Webmaster-zum-Mittagessen-ein-Tag (6.7.), Tritt-nicht-auf-eine-Biene-Tag (10.7.), Sei-nett-zu-Käfern-Tag (14.7.), Nationaler Tag des Gesprächs im Aufzug (25.7.), Nadel-Einfädelungstag (25.7.), Alles-oder-nichts-Tag (26.7.), Tag der Schlafmütze (27.7.), Geh-mit-deiner-Hose-spazieren-Tag (und Geh-mit-Deiner-Zimmerpflanze-spazieren-Tag am 27.7.), Zu-spät-komm-Tag (30.7.).

    Angesichts dieser Fülle bleibt nur eine Frage: Heute schon eine Giraffe gewürdigt? Wenn nicht, ist das auch in Ordnung. Vielleicht reicht es, einfach den Tag zu genießen – ohne jeden Kalendereintrag zelebrieren zu müssen.

  • 52 Acts später: Das steckt hinter SounDDcheck

    52 Acts später: Das steckt hinter SounDDcheck

    LGR Reutlingen – 20 Juni 2026 | 52 Acts später: Das steckt hinter SounDDcheck. Dieser Satz beschreibt das Projekt von Johannes Haupt, das die Dresdner Musikszene mit Interviews und Fotografien begleitet. Doch wer steckt eigentlich hinter diesem Projekt und was ist der Hintergrund?

    Johannes Haupt, ein 33-jähriger Krankenpfleger aus Dresden, ist der Mann hinter SounDDcheck. Er arbeitet hauptberuflich in einer Notaufnahme, aber seine Leidenschaft gehört der Musik und der Fotografie. Seit vielen Jahren fotografiert er für die Presse und begleitet Bands und Künstler auf ihren Konzerten.

    Die Idee für SounDDcheck entstand, als Haupt begann, sich für die Dresdner Musikszene zu interessieren. Er wollte die Menschen hinter der Musik kennenlernen und ihre Geschichten erzählen. So entstand das Projekt, das mittlerweile 52 Acts porträtiert hat.

    Die Dresdner Musikszene

    Die Dresdner Musikszene ist vielfältig und bietet eine breite Palette an Stilen und Genres. Von Hardcore-Punk über Hip-Hop und Dream Pop bis hin zu DJ-Kultur und Singer-Songwriter-Projekten ist alles vertreten. Haupt beschreibt die Szene als “underrated, selbstorganisiert und vernetzt”.

    Das Projekt SounDDcheck bietet den Künstlern eine Plattform, um ihre Musik und ihre Ideen zu präsentieren. Haupt begleitet sie bei ihren Proben, Konzerten und Interviews und fotografiert sie an den Orten, an denen die Musik entsteht.

    Fotografie und Experimente

    Haupt bevorzugt urbane und industrielle Kulissen für seine Fotografien. Er liebt es, die Künstler in Szene zu setzen und ihre Persönlichkeit und Charakter in den Bildern zu zeigen. Er arbeitet gern mit Personen zusammen, die offen für Experimente sind und gemeinsam neue Bildideen entwickeln möchten.

    Die Fotografien von SounDDcheck sind nicht nur einfache Porträts, sondern erzählen auch die Geschichte hinter den Künstlern. Sie zeigen die Menschen, die Musik machen, und ihre Leidenschaft und Hingabe für ihre Kunst.

    52 Acts später ist SounDDcheck zu einem wichtigen Teil der Dresdner Musikszene geworden. Das Projekt hat gezeigt, dass es in Dresden eine lebendige und vielfältige Musikszene gibt, die es wert ist, entdeckt zu werden.

    Mit SounDDcheck hat Johannes Haupt ein Projekt geschaffen, das die Menschen zusammenbringt und die Musikszene in Dresden stärkt. Es ist ein Beispiel dafür, wie eine Leidenschaft und eine Idee zu etwas Großem führen können.

  • Taylor 214ce im Test: Der ideale Einstieg in die Taylor-Welt

    Taylor 214ce im Test: Der ideale Einstieg in die Taylor-Welt

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Die Taylor 214ce im Test belegt eindrucksvoll, warum Taylor Guitars als einer der führenden Hersteller im Bereich akustischer Gitarren gilt. Als fortgeschrittener Gitarrist, der auf der Suche nach einer qualitativ hochwertigen, aber dennoch erschwinglichen Gitarre ist, begegnet man schnell der 214ce. Dieses Modell hat sich nicht nur bei Einsteigern, sondern auch bei professionellen Musikern einen Namen gemacht und gehört seit Jahren zu den beliebtesten Modellen des Herstellers.

    Die Taylor 214ce ist Teil der 200er-Serie und präsentiert sich in der beliebten Grand-Auditorium-Bauform, die mit einem venezianischen Cutaway versehen ist. Das Herzstück dieser Gitarre bildet die massive Decke aus torrefizierter Fichte, ergänzt durch geschichtetes Walnussholz für die Zargen und den Boden. Diese Kombination sorgt für einen hervorragenden Klang und macht die Gitarre zu einem vielseitigen Allrounder, der sowohl auf der Bühne als auch im Studio glänzt.

    Erster Eindruck und Verarbeitung

    Bereits beim ersten Blick auf die Taylor 214ce wird die exzellente Verarbeitung deutlich, für die Taylor international bekannt ist. Die Gitarre besticht durch eine klare Bindung, präzise Bundierung und ein makelloses Finish. Mit ihrem Natural Finish und dem dezenten Tortoise-Schlagbrett strahlt sie eine zeitlose Eleganz aus, die sich von übermäßigen Verzierungen abhebt. Dies trägt dazu bei, die Produktionskosten im Rahmen zu halten, ohne dass die Qualität leidet.

    Der Hals der Gitarre ist aus Mahagoni gefertigt und mit einem Griffbrett aus Ebenholz ausgestattet. Diese Materialien sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern bieten auch hervorragende Spielbarkeit. Mit einer Mensur von 648 Millimetern und einer Sattelbreite von 42,9 Millimetern hat die Taylor 214ce die Standardmaße einer Grand Auditorium, die für viele Spieler ideal sind.

    Bespielbarkeit und Klangqualität

    Die Bespielbarkeit ist eine der größten Stärken der Taylor 214ce. Das speziell designte Halsprofil sorgt für einen hohen Spielkomfort, der über dem vieler Konkurrenzmodelle liegt. Das sanft abgerundete Standard-Carve-Profil kombiniert die besten Eigenschaften des früheren Slim-Carve-Profils mit der Substanz traditioneller Hälsen, was ein modernes und angenehmes Spielgefühl vermittelt. Die ab Werk optimal eingestellte Saitenlage ermöglicht es, Akkorde und Sololinien mühelos zu greifen.

    Der Cutaway der Gitarre bietet zudem einen ungehinderten Zugang zu den höheren Lagen und ermöglicht es den Spielern, das volle Potenzial der Gitarre auszuschöpfen. Doch die zentrale Frage bleibt: Wie klingt die Taylor 214ce? Die Antwort ist einfach: Sie klingt hervorragend. Die massive Fichtendecke sorgt für eine klangliche Brillanz, die typisch für Taylor ist. Dank der Torrefizierung entfaltet sich der Klang nicht wie üblich über Jahre, sondern bietet sofort eine beeindruckende Klangfülle.

    Die Grand-Auditorium-Bauform liefert einen ausgewogenen Klang, der sowohl für Akkorde als auch für Soloparts geeignet ist. Im Vergleich zur klassischen Dreadnought ist die 214ce weniger basslastig, was ihr eine besondere Vielseitigkeit verleiht.

    Wo liegen die Abstriche?

    Trotz ihrer vielen Stärken gibt es einige Aspekte, bei denen Taylor bei der 214ce Abstriche machen musste, um den Preis zu senken. Der Hauptunterschied zu den höherpreisigen Modellen liegt in der Verwendung von laminiertem Walnussholz für Boden und Zargen. Ab der 300er-Serie nutzt Taylor ausschließlich massive Hölzer, die teurer in der Verarbeitung sind. Dennoch muss man sich keine Sorgen um die Klangqualität machen. Die massive Decke übernimmt die Hauptlast der Klangproduktion und sorgt für eine klare Artikulation der Töne.

    Die sorgfältige Fertigung durch qualifizierte Fachkräfte garantiert, dass die Klangqualität der Taylor 214ce nicht wesentlich beeinträchtigt ist. Wer jedoch nach maximaler Resonanz und Obertonreichtum sucht, wird sich langfristig bei den Modellen der 300er- bis 900er-Serie umsehen müssen.

    Für wen ist die Taylor 214ce geeignet?

    Die Taylor 214ce richtet sich vor allem an fortgeschrittene Gitarristen, die ihre Sammlung um ein hochwertiges Modell der Mittelklasse erweitern möchten. Mit ihrer massiven Decke und dem ausgezeichneten Tonabnehmer ist sie ideal für den professionellen Einsatz und wird sowohl Live-Musiker als auch Recording-Enthusiasten begeistern. Besonders Singer-Songwriter profitieren von ihrer klanglichen Qualität.

    Für absolute Anfänger ist die Gitarre jedoch weniger geeignet, da der Preis nicht unbedingt einsteigerfreundlich ist. Hier gibt es günstigere Alternativen. Auch Gitarristen, die einen sehr druckvollen Bassbereich suchen, könnten mit der 214ce unzufrieden sein. Dreadnought-Modelle wären hier die bessere Wahl.

    Besonders erwähnenswert ist, dass die Taylor 214ce auch als Linkshänder-Modell erhältlich ist und für klassische Gitarristen in Form einer Konzertgitarre angeboten wird, sodass wirklich jeder Spieler auf seine Kosten kommt.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Taylor 214ce im Test als eine der meistverkauften Gitarren des Herstellers gilt. Sie vereint die hohen Qualitätsstandards von Taylor mit einem Sound, auf den viele Musiker schwören. Zwar fehlen einige Premium-Merkmale, doch für viele Gitarristen stellt sie tatsächlich den perfekten Einstieg in die Taylor-Welt dar und wird zu einem treuen Begleiter auf ihrem musikalischen Weg.

  • Platte der Woche: SAMANTHA FISH mit “Paper Doll Live”

    Platte der Woche: SAMANTHA FISH mit “Paper Doll Live”

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Mit “Paper Doll Live” präsentiert Samantha Fish ihr erstes offizielles Livealbum und hält damit die Magie ihrer Bühnenauftritte fest. Die 37-jährige Musikerin hat sich über Jahre hinweg einen exzellenten Ruf als eine der prägendsten Gitarristinnen der modernen Blues– und Roots-Szene erarbeitet. Die neue Veröffentlichung ist nicht nur eine Hommage an ihre Fans, sondern auch eine Aufforderung, die Entwicklung ihrer Songs in einer Live-Umgebung zu erleben.

    Aufgenommen im historischen Bijou Theatre in Knoxville, Tennessee, spiegelt “Paper Doll Live” die Energie und Emotionen wider, die Fish und ihre Band bei ihren Auftritten teilen. “Ich wollte einfach festhalten, was wir Abend für Abend machen”, erklärt Fish. “Es ging nicht darum, etwas Neues zu schaffen, sondern darum, die Verbindung zu den Menschen, die sich über die Jahre entwickelt hat, einzufangen.” Diese Verbindung ist es, die das Album zu einem wichtigen Meilenstein in ihrer Karriere macht.

    Der Erfolg des vorherigen Studioalbums “Paper Doll”, das für einen Grammy nominiert wurde, hatte bereits hohe Erwartungen geweckt. Mit der Veröffentlichung dieses Livealbums möchte Fish zeigen, wie sich ihre Songs im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben. “Ganz ehrlich: Dieses Album ist für die Fans”, betont sie. “Über die Jahre haben uns unzählige Leute danach gefragt. Die Songs von ‘Paper Doll’ haben sich auf der Bühne so gut angefühlt, dass es der richtige Zeitpunkt war, die Band und unsere Liveshow in den Mittelpunkt zu stellen.”

    Fish wird auf dem Album von ihrer Tourband begleitet, bestehend aus Ron Johnson am Bass, Jamie Douglass am Schlagzeug und Mickey Finn an den Keyboards. Zusätzlich bereichern die drei Gospel-Veteraninnen der McCrary Sisters das Line-up, deren Stimmen den Songs eine besondere emotionale Tiefe verleihen. Fish hebt hervor: “Ihre Stimmen heben jeden Song auf ein neues Niveau.”

    Die Trackliste von “Paper Doll Live” umfasst Liveversionen bekannter Stücke wie “Lose You”, “Sweet Southern Sounds”, “Paper Doll” und “Rusty Razor”. Besonders hervorzuheben ist die kraftvolle Interpretation des MC5-Klassikers “Kick Out The Jams”. In “Sweet Southern Sounds” zeigt Fish eindrucksvoll ihr Können an der Gitarre, stark beeinflusst von den Mississippi-Hill-Country-Blues-Traditionen. Andere Songs entfalten sich in ihrer Live-Fassung weit über die Studioaufnahmen hinaus.

    Für Fish ist der Reiz einer Liveaufnahme das Feuer, das in einer Performance steckt. “In einer Liveperformance steckt ein Feuer, das sich auf Studioaufnahmen nicht immer übertragen lässt. Die Bühne legt all das schonungslos offen”, erklärt sie. Diese Aussage verdeutlicht das Besondere an “Paper Doll Live”: Es ist nicht nur ein weiteres Album, sondern ein lebendiges Dokument ihrer künstlerischen Reise und ihrer tiefen Verbindung zu ihrem Publikum.

    Die vollständige Trackliste umfasst:

    • Kick Out The Jams
    • Paper Doll
    • Can Ya Handle The Heat?
    • I’m Done Runnin’
    • Lose You
    • Sweet Southern Sounds
    • Bulletproof
    • Miles To Go
    • Fortune Teller
    • Better Be Lonely
    • Dream Girl
    • Don’t Say It
    • Poor Black Mattie
    • Rusty Razor
    • Black Wind Howlin’

    “Paper Doll Live” erscheint am 12. Juni 2026 unter dem Label Rounder Records. Die Veröffentlichung ist ein bedeutender Schritt in der Karriere von Samantha Fish und ein Muss für alle Blues- und Musikliebhaber.

  • Apple Music Hi-Res Lossless kommt auf den Apple TV – Was das für Hi‑Fi‑Fans bedeutet

    Apple Music Hi-Res Lossless kommt auf den Apple TV – Was das für Hi‑Fi‑Fans bedeutet

    LGR Reutlingen – 12 Juni 2026 | Apple Music Hi-Res Lossless kommt auf den Apple TV und eröffnet damit für viele Musikliebhaber ein neues Kapitel im Wohnzimmer‑Audio. Mit dem bevorstehenden Update auf tvOS 27 wird das 4K‑Modell der Streaming‑Box in die Lage versetzt, verlustfreie Signale mit bis zu 24 Bit/192 kHz wiederzugeben – vorausgesetzt, das gesamte Audiosystem ist dafür ausgelegt.

    Der Schritt schließt eine Lücke, die seit Einführung der Lossless‑Option im Musik‑Streaming‑Dienst bestand: Bisher konnten Nutzer die höchstmögliche Klangqualität nur über iPhone, iPad oder Mac genießen, während das Apple TV lediglich Standard‑Lossless unterstützte. Jetzt folgt das Gerät, das sich bereits als zentraler Medienknoten im Smart‑Home etabliert hat, der anspruchsvollen Audiophilen.

    Apple Music Hi-Res Lossless kommt auf den Apple TV – Neue Klangqualität für das Wohnzimmer

    Die offizielle Ankündigung von Apple im Rahmen der iOS‑27‑Roadmap betont, dass Hi‑Res‑Lossless nicht mehr auf die Mobilgeräte beschränkt bleibt. In einem kurzen Statement heißt es, dass Abonnenten mit kompatiblen externen Lautsprechern die „höchste verfügbare Qualität“ direkt über den Apple TV 4K erleben können. Dabei wird jedoch deutlich, dass die Unterstützung von Abtastraten über 48 kHz – ein entscheidendes Kriterium für echtes Hi‑Res‑Audio – bislang fehlte und erst mit tvOS 27 nachgerüstet wird.

    Für Nutzer, die bereits ein AV‑Receiver‑Setup, eine Soundbar oder ein klassisches Hi‑Fi‑System besitzen, bedeutet das ein spürbares Upgrade. Die kleine Box wird zum vollwertigen Musik‑Zuspieler, der dank HDMI‑ARC oder optischer Schnittstelle das Signal unverfälscht an die externe Hardware weitergibt. Ohne diese Kette – also bei Wiedergabe über TV‑Lautsprecher oder Bluetooth – bleibt das Potential von Hi‑Res‑Lossless jedoch ungenutzt.

    Technische Voraussetzungen und Grenzen

    Die Praxis zeigt, dass nicht jede Wohnzimmerkonfiguration automatisch von dem neuen Feature profitiert. Apple nennt explizit „kompatible externe Lautsprecherausgänge“ als Voraussetzung. Das bedeutet im Detail:

    • Ein Apple TV 4K der zweiten Generation oder neuer.
    • Ein HDMI‑Verbindung, die das volle Audio‑Signal (bis 24 Bit/192 kHz) unverändert durchleitet.
    • Ein TV‑Modell, das den HDMI‑Audio‑Return‑Channel (ARC) oder eARC unterstützt, um das Signal an den Receiver zu senden.
    • Ein AV‑Receiver, eine Soundbar oder ein DAC, das Hi‑Res‑Audio (mindestens 96 kHz/24 Bit) verarbeiten kann.

    Wer stattdessen das Signal über Bluetooth an Kopfhörer oder Lautsprecher sendet, bleibt bei den üblichen Codecs (SBC, AAC, sogar aptX) gefangen, die bereits bei 44,1 kHz komprimieren. Apple weist ausdrücklich darauf hin, dass Bluetooth‑Verbindungen keine verlustfreien Audiosignale transportieren können – ein Hinweis, der für AirPods‑Nutzer besonders relevant ist, da dort Spatial Audio nach wie vor im Vordergrund steht.

    Ein weiterer Aspekt ist die Lizenzierung von Hi‑Res‑Inhalten. Apple Music bietet eine Bibliothek mit Titeln, die bis zu 24 Bit/192 kHz bereitstellen, aber nicht jedes Album ist in dieser Auflösung verfügbar. Nutzer sollten also im Vorfeld prüfen, ob ihre Lieblingskünstler das entsprechende Format unterstützen.

    Die Einführung von Hi‑Res‑Lossless auf tvOS 27 kommt gleichzeitig mit anderen Neuerungen wie AutoMix, das künftig auch auf dem Apple TV und dem HomePod funktionieren soll, sowie einer erweiterten Übersetzungs‑ und Aussprachehilfe für Songtexte. Diese Funktionen verstärken das Ökosystem von Apple als ganzheitliche Entertainment‑Plattform.

    Aus Sicht der Branche ist Apples Vorgehen ein deutliches Signal an Wettbewerber wie Spotify, Amazon Music und Tidal, die bereits seit Jahren Hi‑Res‑Streaming anbieten. Apple nutzt seine Hardware‑Kontrolle – insbesondere das enge Zusammenspiel von iOS, macOS und tvOS – um ein konsistentes Erlebnis zu schaffen, das über reine Software‑Features hinausgeht.

    Analysten schätzen, dass die Integration von Hi‑Res‑Lossless in das Wohnzimmer‑Setup das Premium‑Segment von Apple Music weiter festigen könnte. Während die meisten Nutzer im Alltag weiterhin auf komprimierte Streams zurückgreifen, werden audiophile Early‑Adopter die Möglichkeit zu schätzen wissen, ein hochwertiges Klangbild über das zentrale Gerät ihres Smart‑Homes zu genießen.

    Der Release‑Zeitplan sieht vor, dass tvOS 27 bereits als Entwickler‑Beta verfügbar ist, während die öffentliche Beta im kommenden Monat startet. Die finale Version soll, wie üblich, im Herbst ausgerollt werden. Bis dahin können sich Interessierte über die Support‑Seite von Apple über die genauen Anforderungen informieren und ihre Heimkino‑Kette entsprechend prüfen.

    Zusammengefasst bietet Apple Music Hi-Res Lossless kommt auf den Apple TV eine klare technische Weiterentwicklung, die jedoch stark von der vorhandenen Hardware abhängt. Wer ein gut abgestimmtes Audio‑Setup besitzt, kann jetzt von einer Klangqualität profitieren, die bislang nur über dedizierte Hi‑Fi‑Geräte erreichbar war. Für die breite Masse bleibt jedoch noch ein Stück Weg, bis die Vorteile flächendeckend genutzt werden können.

  • Wallis Bird – „I Can See Your House From Here“ im Fokus: Platte der Woche

    Wallis Bird – „I Can See Your House From Here“ im Fokus: Platte der Woche

    LGR Reutlingen – 08 Juni 2026 | Die aktuelle Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 ist mehr als ein bloßes Musikwerk – sie ist ein Spiegelbild der Zeit, in der sie entstanden ist. Die in Berlin lebende Irin verbindet in ihrem achten Studioalbum intime Verluste mit den kollektiven Wunden einer polarisierten Welt und schafft damit ein Stück, das zugleich persönlich, politisch und musikalisch anspruchsvoll ist.

    Wallis Bird, deren Wurzeln im irischen Singer‑Songwriter‑Umfeld liegen, hat sich über die letzten Jahre zu einer festen Größe im europäischen IndieFolk etabliert. Mit I Can See Your House From Here geht sie jedoch einen Schritt weiter: Sie übernimmt die Produktion selbst, was dem Album einen besonders direkten, fast schon ungefilterten Klang verleiht. Der Titel, ein Hinweis auf die Nähe zwischen Menschen – selbst wenn sie sich als Gegner sehen – zieht sich wie ein roter Faden durch die elf Songs.

    Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 – Ein Blick hinter die Musik

    Die Entstehungsphase war von zwei tragischen Ereignissen geprägt: dem plötzlichen Tod ihres langjährigen Freundes Kevin Ryan und den erschütternden Bildern aus dem Krieg in Gaza. Bird lässt diese beiden Ebenen nicht getrennt voneinander wirken, sondern verknüpft sie zu einem Gesamtkonzept, das den Hörer dazu zwingt, sowohl die eigene Trauer als auch die globale Unsicherheit zu reflektieren.

    Musikalisch bewegt sich das Album zwischen zarten Folk‑Arrangements und kraftvollem Indie‑Rock. Die Produktion ist bewusst minimalistisch – häufig zurückgenommene Gitarren, dezente Percussion und ein klarer Gesang, der fast schon wie ein Gespräch wirkt. Diese Zurückhaltung schafft Raum zum Atmen, lässt die Texte jedoch umso stärker resonieren.

    Ein herausragender Moment ist der Opener And So Turns The Wheel. Der Song verarbeitet den Verlust von Kevin Ryan mit einer Mischung aus melodiöser Schwere und hoffnungsvollen Akkorden. Die Zeile „Ich habe das Licht verloren, doch das Rad dreht sich weiter“ verdeutlicht, wie Bird den Schmerz als Antrieb für Gemeinschaft und Neubeginn versteht.

    Der mittlere Teil des Albums, etwa in Why Is Peace Problematic und Grieving Is The Price You Pay For Love, wechselt zwischen persönlicher Trauer und gesellschaftskritischen Fragen. Bird fragt nach, warum Empathie in einer zunehmend fragmentierten Welt immer schwieriger zu finden ist. Ihre Antwort ist kein Patentrezept, sondern ein Aufruf zum Dialog: „Viele um mich herum können das nicht verkraften, die Traurigkeit ist zu viel – und doch haben sie so viel zu geben.“

    Ein weiterer Höhepunkt ist Let Me Buy You Flowers, ein scheinbar einfacher Liebessong, der jedoch als Metapher für kleine Gesten der Solidarität dient. Durch das Bild der Blumen wird deutlich, dass selbst kleinste Akte der Fürsorge in Zeiten kollektiver Angst eine enorme Wirkung entfalten können.

    Die Schlusssequenz mit The Good Of The People und I’m Your Witness lässt das Album nicht in einer düsteren Stimmung enden, sondern bietet einen leisen Optimismus. Bird betont, dass das Zeugen von Leiden zugleich ein Akt des Mitgefühls sein kann, wenn man bereit ist, zuzuhören und zu handeln.

    Die Produktion in Eigenregie ist ein entscheidender Faktor für die Intensität des Werks. Ohne externe Eingriffe bleibt das Klangbild roh, fast schon ungefiltert. Das Ergebnis wirkt geschlossen, als ob die Songs in einem einzigen, zusammenhängenden Gespräch entstanden wären – ein Ansatz, den nur wenige Künstler heute noch wagen.

    Im Vergleich zu anderen Alben, die denselben Titel tragen – etwa die Progressive‑Rock‑Interpretation von Camel oder das instrumentale Jazz‑Projekt von John Scofield und Pat Metheny – sticht Bird durch die emotionale Direktheit hervor. Während Camel und die Jazz‑Kollaboration eher konzeptionelle Experimente darstellen, setzt Bird auf Narrative, die sowohl das persönliche Erleben als auch die gesellschaftliche Realität einbinden.

    Für die Berliner Musikszene bedeutet das Album einen weiteren Meilenstein. Wallis Bird hat sich in den letzten Jahren nicht nur als Performer, sondern auch als Produzentin etabliert. Ihr Studio im Prenzlauer Berg ist nun ein Ort, an dem Künstlerinnen und Künstler ermutigt werden, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, ohne Kompromisse bei der Produktion einzugehen.

    Der kommerzielle Erfolg wird wahrscheinlich moderat ausfallen – das Album richtet sich eher an ein Nischenpublikum, das tiefere Texte und ungeschönte Klanglandschaften sucht. Dennoch ist das Potenzial für langfristige Resonanz groß, besonders wenn man bedenkt, dass die Themen von Trauer, Empathie und politischer Verantwortung zeitlos sind.

    Zusammengefasst ist I Can See Your House From Here ein mutiges Werk, das nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich relevant ist. Wallis Bird zeigt, dass Trauer kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt für Gemeinschaft, Hoffnung und künstlerische Innovation sein kann. Die Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 ist damit ein eindringlicher Appell, die Nähe zu den Mitmenschen wieder zu entdecken – selbst wenn die Welt von außen betrachtet in Trümmern liegt.

  • Laney Prism-Mini im Test: Großer Sound in kleiner Box – Ein kompaktes Powerhouse für unterwegs

    Laney Prism-Mini im Test: Großer Sound in kleiner Box – Ein kompaktes Powerhouse für unterwegs

    LGR Reutlingen – 07 Juni 2026 | Es gibt nur wenige Hersteller, die den Sound ganzer Musikgenres geprägt haben. Laney, der britische Verstärkerpionier, gehört zweifellos dazu. Vor fast 60 Jahren verhalf das Unternehmen einem jungen Tony Iommi mit dem LA100BL zum ikonischen Sabbath-Sound und legte damit den Grundstein für den Metal. Sechs Jahrzehnte später hat sich die Welt der Gitarrenverstärker radikal verändert. Digitale Modelling-Verstärker dominieren den Markt, während kraftvolle Röhren-Amps mit dreistelligen Wattzahlen und ohne Master Volume für die aktuelle Generation an Bedroom-Shreddern und TikTok-Gitarristen kaum noch relevant sind. Auch Laney hat sich weiterentwickelt und bietet mit dem Laney Prism-Mini einen kompakten Verstärker, der speziell für den Einsatz zwischen Wohnzimmer, Park-Jam-Sessions und lautlosem Üben im Reisebus konzipiert wurde. Unser Laney Prism-Mini im Test zeigt, ob der kleine Amp hält, was er verspricht.

    Laney Prism-Mini im Test: Großer Sound in kleiner Box – Das erste Fazit

    Der Laney Prism-Mini kommt in einem schlichten Karton, der nahezu vollständig vom Verstärker ausgefüllt wird. Beiliegend sind nur ein kleines Booklet mit Sicherheitshinweisen und ein USB-C-Kabel zum Laden des internen Akkus. Das Gehäuse aus sattblauem Kunststoff ist deutlich am Styling der beliebten Lionheart-Serie orientiert – eine schwarze Version im Ironheart-Look ist ebenfalls erhältlich. Auf der Rückseite finden sich ein Kopfhöreranschluss im 3,5-mm-Klinkenformat und der USB-C-Anschluss. Leider fehlen ein Gürtelclip oder eine Aufnahme für einen Tragegurt, was die mobilen Aspekte des Amps noch unterstreichen würde. Dennoch ist der Laney Prism-Mini handlich genug, um schnell im Handgepäck zu verschwinden.

    Nach dem Einschalten überrascht das hochwertige 1,77-Zoll-Farbdisplay, das mit einer Diagonale von etwa 4,5 cm perfekte Abmessungen für den Heimgebrauch bietet. Das aktuell ausgewählte Preset, der Akkuladestand und die aktiven Effektblöcke lassen sich auch auf Armlänge gestochen scharf ablesen. Die gesamte Menüführung erfolgt über einen großen, gerasterten Parameter-Drehregler, der gleichzeitig als Eingabe-Button dient. Dreht man den Regler gleich nach dem Anschalten, kann man sich durch die 100 Presets hören – die ersten 50 sind als Factory-Presets markiert und bieten Klassiker vom Brown-Sound für Van-Halen-Fans über eine gelungene Interpretation von Prince’ „Purple Rain“ bis hin zu Blues-Sound à la B.B. King. Die hinteren 50 User-Presets sind ab Werk mit den Factory-Presets identisch und können nach Belieben überschrieben werden.

    Modelling und Effekte: Ein digitales Kraftpaket

    Hier beginnt der eigentliche Spaß. Mit 17 verschiedenen Amp-Simulationen und 32 Effekten lässt sich eine Menge anstellen. Jedes Preset ist gleich aufgebaut und bietet acht DSP-Blöcke: zwei für Amp und Cabinet, sowie je einen für Modulation, Delay, Reverb, EQ, Drive und einen weiteren Block für Pre-Effekte wie Kompressor oder Noise Gate. Manche Blöcke lassen sich in der Effektreihenfolge verschieben, allerdings nur eingeschränkt – so ist es nicht möglich, das Noise Gate zwischen Drive-Pedal und Amp zu platzieren. Wer seinen Delay-Effekt lieber vor dem Reverb haben möchte, kann das mit wenigen Klicks umsetzen. Die Bearbeitung ist intuitiv: Ein Klick auf den Parameter-Regler wählt einen Effekt aus, im Untermenü lässt er sich an- oder ausschalten, der Effekttyp auswählen und die Parameter anpassen.

    Für die Wiedergabe sorgen zwei speziell für den Laney Prism-Mini gefertigte 1,5-Zoll-Custom-Lautsprecher in Stereo-Konfiguration. Mit insgesamt 6 Watt Leistung können sie natürlich nicht mit der Fülle eines 12-Zoll-Lautsprechers mithalten, aber sie überraschen mit einem erstaunlich kraftvollen Sound, der auch anspruchsvolle Raumeffekte klar und differenziert artikuliert. Besonders im Vergleich mit Referenztracks, die sich per Bluetooth einspielen lassen, zeigt sich die Qualität der Lautsprecher. Die Ansprache ist knackig und responsiv, lediglich die tiefen Sub-Bässe gehen im Gesamtmix manchmal unter. Wer das volle klangliche Potenzial ausschöpfen möchte, wechselt besser auf ein gutes Paar Studio-Kopfhörer. Im Test mit einem Audio-Technica ATH-M50X und einem Beyerdynamic DT 770 PRO offenbart sich bereits ab den ersten Tönen, dass hier professionelles Modelling unter der Haube steckt. Der Laney Prism-Mini ist keine Spielerei, sondern ein ernstzunehmendes Sound-Aggregat.

    Audio-Interface und App-Steuerung

    Der USB-C-Anschluss dient nicht nur zum Laden, sondern auch als Audio-Interface für Aufnahmen in professioneller Qualität. Wer einen Audio-PC, ein Tablet mit DAW oder ein ähnliches Gerät besitzt, kann den Laney Prism-Mini nahtlos in sein Setup integrieren und die internen Sounds mit gängiger Recording-Software aufnehmen. Die dazugehörige Tone Wizard App für iOS und Android bietet zwar keine neuen Effektparameter, aber einen exklusiven Zugriff auf eine Drum-Sektion mit verschiedenen Loops aus Electronic, Pop, Funk und World Music. Tempo und Lautstärke sind anpassbar, die Wiedergabe lässt sich steuern. Allerdings muss eine Verbindung per Bluetooth Audio hergestellt sein, damit die Drums über den Laney Prism-Mini abgespielt werden – sonst ertönen sie aus dem Smartphone.

    Der Laney Prism-Mini im Test zeigt: Für knapp über 100 Euro bekommt man erstaunlich gut klingende Gitarrensounds, eine kompakte Boombox für Küche und Wohnzimmer und einen praktischen Begleiter für unterwegs. Die allgemeine Klangqualität, das Design und die Bedienbarkeit sind top, lediglich die beiden Stereo-Lautsprecher stoßen bei höheren Lautstärken an ihre Grenzen. Wer ein gutes Paar Kopfhörer dabei hat, kann dem Laney Prism-Mini sagenhafte Sounds entlocken. Pro: Erstaunlich gute Modelling-Sounds, handliches Design, gute Bedienbarkeit, umfangreicher Funktionsumfang. Contra: Lautsprecher kommen schnell an ihre Grenzen, Drum-Sektion nur per Smartphone-App nutzbar.

  • Devin Townsend präsentiert mit ‚The Moth‘ sein ambitioniertestes Werk

    Devin Townsend präsentiert mit ‚The Moth‘ sein ambitioniertestes Werk

    LGR Reutlingen – 31 Mai 2026 | Mit der Veröffentlichung seines neuen Albums ‚The Moth‘ am 29. Mai 2026 läutet Devin Townsend ein neues Kapitel seiner musikalischen Laufbahn ein. Nach mehr als einem Jahrzehnt harter Arbeit präsentiert der kanadische Musiker eine 24 Songs umfassende Rockoper, die es in sich hat und die von vielen als sein Lebenswerk angesehen wird. Townsend selbst beschreibt das Album als eine monumentale Verbindung aus Progressive Metal, orchestralen Klängen, Chorarrangements und theatralischer Inszenierung.

    Die Wurzeln von ‚The Moth‘ reichen bis in die Mitte der 2010er-Jahre zurück, als Townsend erstmals die Idee eines groß angelegten Musiktheaters äußerte. Die Themen Identität, Macht, Spiritualität und persönliche Transformation sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Was zunächst als kaum umsetzbare Vision erschien, nahm konkrete Formen an, als Townsend die Möglichkeit erhielt, mit dem renommierten Noord Nederlands Orkest und einem großen Chor zusammenzuarbeiten. Aus der ursprünglich angedachten Bühnenproduktion entwickelte sich schließlich ein Studioalbum, das nun den Abschluss eines über ein Jahrzehnt andauernden kreativen Prozesses markiert.

    Musikalisch geht ‚The Moth‘ weit über die Grenzen eines klassischen Metal-Albums hinaus. Die Mischung aus orchestralen Passagen, Chören und progressiven Arrangements trifft auf die für Townsend charakteristische Verbindung von Härte und Melodie. Die erste Single ‚Enter The City‘, die bereits veröffentlicht wurde, zeigt eindrucksvoll, wie konsequent der Künstler seine Vision verfolgt. Unterstützt wird er dabei von Größen wie dem Gitarrenvirtuosen Steve Vai und der Sängerin Anneke van Giersbergen, die auf mehreren Stücken zu hören sind.

    Im Jahr 2025 konnten Fans bereits Teile des Materials erleben, als Townsend ‚The Moth‘ in einer aufwendigen Produktion mit Sinfonieorchester und Chor im niederländischen Groningen aufführte. Die Konzerte, die als eines der größten und kostspieligsten Projekte seiner Karriere gelten, hinterließen einen bleibenden Eindruck und weckten das Interesse an der Studiofassung, die nun veröffentlicht wird.

    Das Album umfasst insgesamt 24 Titel, darunter ‚War Beyond Words‘, ‚The Moth‘, ‚Ode To My Eye‘, ‚A Proxy For God‘ und ‚Metamorphosis‘. Townsend thematisiert in seinem Werk destruktive Verhaltensmuster und persönliche Veränderungen, die sich wie ein roter Faden durch die komplexe Erzählung ziehen. Die Veröffentlichung von ‚The Moth‘ könnte kaum passender kommen. Nach einer längeren Live-Pause plant Townsend, im Herbst 2026 wieder auf die Bühne zurückzukehren, was das Album nicht nur zu einem Abschluss eines langjährigen Projekts, sondern auch zu einem Startpunkt für neue musikalische Abenteuer macht.

    Insgesamt lässt sich sagen, dass ‚The Moth‘ eine umfassende Reflexion von Devin Townsends bisherigen musikalischen Erfahrungen darstellt und Fans sowie Kritiker gleichermaßen begeistern dürfte. Die Tracklist des Albums umfasst:

    • Semi-Prologue
    • War Beyond Words
    • The Moth
    • Ode To My Eye
    • Enter The City
    • Covered By Causes
    • Lexin
    • Runaways
    • A Proxy For God
    • The Mothers
    • Orion
    • Stay There
    • Home At Night
    • Intermission
    • Lexin Returns
    • The Clergy
    • Prepare For War
    • The Big Snit
    • Silver Princess
    • A Life In Review
    • Metamorphosis
    • Stained Hearts
    • Let Go
    • We Don’t Deserve Dogs

    Mit der Veröffentlichung von ‚The Moth‘ am 29. Mai 2026 und der bevorstehenden Rückkehr auf die Bühne stellt Devin Townsend erneut unter Beweis, dass er einer der innovativsten Künstler seiner Generation ist, der stets bestrebt ist, neue musikalische Horizonte zu erkunden.

  • Mk.gee Gitarrensound: Warum gerade alle Gitarristen über ihn sprechen

    Mk.gee Gitarrensound: Warum gerade alle Gitarristen über ihn sprechen

    LGR Reutlingen – 28 Mai 2026 | In der Welt der modernen Gitarrenmusik hat sich Michael Todd Gordon, besser bekannt als Mk.gee, in beeindruckend kurzer Zeit zu einer der aufregendsten Stimmen entwickelt. Der Musiker und Produzent aus New Jersey verfolgt einen innovativen Ansatz, der sich den traditionellen Klischees entzieht. Durch die Fusion von Lo-Fi-R&B, zerbrechlichen Tape-Texturen und Jazz-Harmonien schafft er eine Klangsprache, die sowohl vertraut als auch ungewöhnlich wirkt.

    Sein jüngstes Album ‘Two Star & The Dream Police’ zeigt, dass Mk.gee weit mehr als ein typischer Indie-Gitarrist ist. Die Stücke scheinen Klangräume zu bilden, die durch Zeit und Erinnerung leicht verzerrt erscheinen. Mk.gee beschreibt diesen Effekt als „liminal“, was er in einem Interview mit BBC Radio 1 erklärt: „Ein liminaler Raum ist etwas, das dir gleichzeitig vertraut und fremd vorkommt.“ Diese Definition spiegelt sich in seinen Kompositionen wider, die oft zwischen Vertrautheit und Entfremdung schwanken.

    Für Gitarristen ist die Faszination seines Sounds von zentraler Bedeutung, denn er entfernt sich bewusst von klassischem Tone-Chasing und Perfektionismus. Mk.gees Musik lebt von Imperfektion, von Artefakten und Instabilität. Während viele Produktionen heutzutage darauf abzielen, makellos zu klingen, interessiert ihn genau das Gegenteil: der raue, ungeschliffene Charakter seiner Klänge.

    Die Gitarre fungiert bei Mk.gee weniger als klassisches Lead-Instrument, sondern vielmehr als emotionale Klangquelle. Viele seiner Parts bestehen aus Fragmenten, einzelnen Anschlägen, kurzen Slides oder rhythmischen Akzenten. Diese Herangehensweise schafft eine Dynamik, die ständig zwischen Kontrolle und Chaos pendelt. Noten scheinen gelegentlich abrupt abzubrechen, Akkorde wirken „unfertig“ und erzeugen so eine fragile Atmosphäre, die an gechoppte Loops oder manipulierte Tape-Fragmente erinnert. Besonders in Stücken wie ‘Dream Police’ oder ‘Are You Looking Up’ wird deutlich, dass die Gitarren mehr als nur melodische Begleitung bieten; sie schaffen atmosphärische Bewegungen.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt seines Sounds ist der bewusste Minimalismus. Viele Songs auf ‘Two Star & The Dream Police’ entstehen mit wenigen Elementen, wobei die Größe nicht durch komplexe Arrangements, sondern durch die Andeutung von Energie entsteht. Mk.gee selbst beschreibt dies als psychologischen Trick: „Große Momente funktionieren oft besser, wenn sie nur impliziert werden, statt tatsächlich riesig produziert zu sein.“

    Obwohl viele Hörer beim ersten Hören an Lo-Fi oder Alternative denken, hat Mk.gee einen tiefen musikalischen Hintergrund, der seine Herangehensweise prägt. Er bezeichnet sich als „Jazz Kid“ und bringt Einflüsse aus dem Jazz und Funk in sein Spiel ein. Dabei zeichnet sich sein Stil weniger durch harmonisches Spiel als durch rhythmische Spannung und dynamische Variationen aus. Ein klarer Einfluss von Funk-Gitarristen wie Prince oder Larry Graham ist erkennbar, nicht tonal, sondern rhythmisch. Seine Anschläge wirken oft wie perkussive Impulse, die den Groove zwischen den Noten erzeugen.

    Ein zentrales Element seines Sounds ist die Fender Jaguar, die er jedoch anders nutzt als gewohnt. Mit Flatwound-Saiten bespannt, produziert sie einen dumpfen, holzigen Ton, der an einen verstimmten Synth-Bass erinnert. Die kürzere Mensur und das Floating-Tremolo der Jaguar tragen zu einer instabilen und perkussiven Ansprache bei, die perfekt zu Mk.gees unkonventionellem Stil passt.

    Ein entscheidender Bestandteil seines Sounds ist der Roland VG-8, ein Gerät, das viele Gitarristen nicht mehr verwenden. Mk.gee nutzt die frühen Modeling-Algorithmen des VG-8, die instabile Resonanzen und digitale Artefakte erzeugen. Diese „Fehler“ sind für ihn bewusst gewählt und verleihen seinen Klängen eine emotionale Tiefe. In Kombination mit einem Roland GK-2A MIDI-Pickup wird der VG-8 zum Zentrum vieler seiner Sounds, die zwischen Gitarre und Synthesizer oszillieren.

    Ein weiteres Werkzeug, das er oft verwendet, ist das TASCAM Portastudio 424 MKI, das er nicht nur zum Aufnehmen, sondern auch zur Sättigung und Verzerrung seiner Klänge nutzt. Diese bewusste Übersteuerung der Transienten und das Spiel mit Tape-artigen Verzerrungen verleihen seinen Gitarrenparts eine charakteristische Klangfarbe, die oft an Sampling-Ästhetik erinnert.

    Mk.gees Klangästhetik funktioniert auch auf psychoakustischer Ebene. Die instabilen Delays, Tape-Wobble und die leichten Verzerrungen erzeugen beim Hörer ein Gefühl von Nostalgie und Verletzlichkeit. Seine Musik klingt wie eine Erinnerung, die langsam zerfällt, und das verleiht seinen Stücken eine emotionale Tiefe, die in modernen Produktionen oft verloren geht.

    Sein Pedalboard ist ebenfalls unkonventionell. Statt klassischer Vintage-Logik setzt er auf Geräte, die Atmosphäre und Instabilität erzeugen. Effekte wie der Chase Bliss Mood MKI oder der Boss CE-2W Chorus dienen weniger als offensichtliche Klangveränderungen, sondern eher als subtile Schattierungen im Gesamtbild.

    Die Reaktionen junger Gitarristen auf Mk.gees Sound sind bemerkenswert. Er ist möglicherweise einer der ersten Gitarristen, die in einer Generation aufgewachsen sind, die mit DAWs, Sampling und Sounddesign vertraut ist. Er verbindet Spielweise und Produktion, sodass die Gitarre für ihn nicht mehr nur ein Instrument ist, sondern ein integraler Bestandteil eines umfassenden Klangsystems. Dies scheint den Nerv vieler junger Musiker zu treffen, die einen Fokus auf Charakter und Individualität legen, anstatt auf perfekten Vintage-Sound oder technische Virtuosität.

    Wer den Mk.gee-Sound nachahmen möchte, sollte sich auf Textur, Dynamik und Instabilität konzentrieren. Der Einsatz von Flatwound-Saiten und älteren digitalen Modelern wie dem Roland VG-8 sind entscheidend. Die Imperfektionen dieser Systeme sind Teil der Ästhetik. Auch Modulationseffekte sollten subtil eingesetzt werden, um kleine Schwankungen zu erzeugen, die den Klang lebendig machen. Vor allem aber ist es die Reduktion und der bewusste Umgang mit Dynamik, die Mk.gees Stil so einzigartig machen.