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  • Wallis Bird – „I Can See Your House From Here“ im Fokus: Platte der Woche

    Wallis Bird – „I Can See Your House From Here“ im Fokus: Platte der Woche

    LGR Reutlingen – 08 Juni 2026 | Die aktuelle Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 ist mehr als ein bloßes Musikwerk – sie ist ein Spiegelbild der Zeit, in der sie entstanden ist. Die in Berlin lebende Irin verbindet in ihrem achten Studioalbum intime Verluste mit den kollektiven Wunden einer polarisierten Welt und schafft damit ein Stück, das zugleich persönlich, politisch und musikalisch anspruchsvoll ist.

    Wallis Bird, deren Wurzeln im irischen Singer‑Songwriter‑Umfeld liegen, hat sich über die letzten Jahre zu einer festen Größe im europäischen IndieFolk etabliert. Mit I Can See Your House From Here geht sie jedoch einen Schritt weiter: Sie übernimmt die Produktion selbst, was dem Album einen besonders direkten, fast schon ungefilterten Klang verleiht. Der Titel, ein Hinweis auf die Nähe zwischen Menschen – selbst wenn sie sich als Gegner sehen – zieht sich wie ein roter Faden durch die elf Songs.

    Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 – Ein Blick hinter die Musik

    Die Entstehungsphase war von zwei tragischen Ereignissen geprägt: dem plötzlichen Tod ihres langjährigen Freundes Kevin Ryan und den erschütternden Bildern aus dem Krieg in Gaza. Bird lässt diese beiden Ebenen nicht getrennt voneinander wirken, sondern verknüpft sie zu einem Gesamtkonzept, das den Hörer dazu zwingt, sowohl die eigene Trauer als auch die globale Unsicherheit zu reflektieren.

    Musikalisch bewegt sich das Album zwischen zarten Folk‑Arrangements und kraftvollem Indie‑Rock. Die Produktion ist bewusst minimalistisch – häufig zurückgenommene Gitarren, dezente Percussion und ein klarer Gesang, der fast schon wie ein Gespräch wirkt. Diese Zurückhaltung schafft Raum zum Atmen, lässt die Texte jedoch umso stärker resonieren.

    Ein herausragender Moment ist der Opener And So Turns The Wheel. Der Song verarbeitet den Verlust von Kevin Ryan mit einer Mischung aus melodiöser Schwere und hoffnungsvollen Akkorden. Die Zeile „Ich habe das Licht verloren, doch das Rad dreht sich weiter“ verdeutlicht, wie Bird den Schmerz als Antrieb für Gemeinschaft und Neubeginn versteht.

    Der mittlere Teil des Albums, etwa in Why Is Peace Problematic und Grieving Is The Price You Pay For Love, wechselt zwischen persönlicher Trauer und gesellschaftskritischen Fragen. Bird fragt nach, warum Empathie in einer zunehmend fragmentierten Welt immer schwieriger zu finden ist. Ihre Antwort ist kein Patentrezept, sondern ein Aufruf zum Dialog: „Viele um mich herum können das nicht verkraften, die Traurigkeit ist zu viel – und doch haben sie so viel zu geben.“

    Ein weiterer Höhepunkt ist Let Me Buy You Flowers, ein scheinbar einfacher Liebessong, der jedoch als Metapher für kleine Gesten der Solidarität dient. Durch das Bild der Blumen wird deutlich, dass selbst kleinste Akte der Fürsorge in Zeiten kollektiver Angst eine enorme Wirkung entfalten können.

    Die Schlusssequenz mit The Good Of The People und I’m Your Witness lässt das Album nicht in einer düsteren Stimmung enden, sondern bietet einen leisen Optimismus. Bird betont, dass das Zeugen von Leiden zugleich ein Akt des Mitgefühls sein kann, wenn man bereit ist, zuzuhören und zu handeln.

    Die Produktion in Eigenregie ist ein entscheidender Faktor für die Intensität des Werks. Ohne externe Eingriffe bleibt das Klangbild roh, fast schon ungefiltert. Das Ergebnis wirkt geschlossen, als ob die Songs in einem einzigen, zusammenhängenden Gespräch entstanden wären – ein Ansatz, den nur wenige Künstler heute noch wagen.

    Im Vergleich zu anderen Alben, die denselben Titel tragen – etwa die Progressive‑Rock‑Interpretation von Camel oder das instrumentale Jazz‑Projekt von John Scofield und Pat Metheny – sticht Bird durch die emotionale Direktheit hervor. Während Camel und die Jazz‑Kollaboration eher konzeptionelle Experimente darstellen, setzt Bird auf Narrative, die sowohl das persönliche Erleben als auch die gesellschaftliche Realität einbinden.

    Für die Berliner Musikszene bedeutet das Album einen weiteren Meilenstein. Wallis Bird hat sich in den letzten Jahren nicht nur als Performer, sondern auch als Produzentin etabliert. Ihr Studio im Prenzlauer Berg ist nun ein Ort, an dem Künstlerinnen und Künstler ermutigt werden, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, ohne Kompromisse bei der Produktion einzugehen.

    Der kommerzielle Erfolg wird wahrscheinlich moderat ausfallen – das Album richtet sich eher an ein Nischenpublikum, das tiefere Texte und ungeschönte Klanglandschaften sucht. Dennoch ist das Potenzial für langfristige Resonanz groß, besonders wenn man bedenkt, dass die Themen von Trauer, Empathie und politischer Verantwortung zeitlos sind.

    Zusammengefasst ist I Can See Your House From Here ein mutiges Werk, das nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich relevant ist. Wallis Bird zeigt, dass Trauer kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt für Gemeinschaft, Hoffnung und künstlerische Innovation sein kann. Die Platte der Woche WALLIS BIRD 8222I Can See Your House From Here8220 ist damit ein eindringlicher Appell, die Nähe zu den Mitmenschen wieder zu entdecken – selbst wenn die Welt von außen betrachtet in Trümmern liegt.

  • Lichtkunst im Wandel der Jahreszeiten: Christopher Bauders „Forest Seasons“

    Lichtkunst im Wandel der Jahreszeiten: Christopher Bauders „Forest Seasons“

    LGR Reutlingen – 28 Mai 2026 | In der Transformator-Kunsthalle auf dem Dark-Matter-Gelände in Berlin-Rummelsburg wird seit dem 1. April Christopher Bauders neueste raumgreifende Installation „Forest Seasons“ präsentiert. Diese eindrucksvolle Arbeit veranschaulicht den Wald im ständigen Wandel der Jahreszeiten und schafft ein faszinierendes Erlebnis durch ein Zusammenspiel von Laserlicht, Videoprojektionen, kinetischen Elementen und Musik. Robe-Scheinwerfer inszenieren Christopher Bauders „Forest Seasons“ und tragen maßgeblich zur Lichttechnik dieser Installation bei.

    Alle 45 Minuten entfaltet „Forest Seasons“ einen dynamischen Jahreskreis, der die Übergänge von Frühling, Sommer, Herbst und Winter auf innovative Weise erzählt. Innerhalb des Raumes wachsen Bäume, deren Kronen aus eindrucksvollen Lichtzeichnungen bestehen. Bewegte Videoprojektoren erzeugen dynamische Bildwelten, während fallende Blätter und künstliche Sonnen kinetische Akzente setzen. Den musikalischen Rahmen bildet der niederländische Musiker Chris Kuijten, dessen Soundtrack die visuelle Inszenierung perfekt ergänzt.

    „Historisch galt der Wald lange als Ort von Gefahren und Unbekanntem. Erst ab der Romantik wandelte sich dieser Blick: Der Wald wurde zum Sehnsuchts- und Rückzugsort, als Gegenpol zur industriell-urbanen Welt. Licht, Farbe und Bewegung spiegeln Neubeginn, Wachstum, Abschied und Ruhe wider“, erläutert Bauder den konzeptionellen Hintergrund seiner Installation.

    Die technische Umsetzung erfordert außergewöhnliche Infrastruktur: Insgesamt 60 Robe-Scheinwerfer kommen zum Einsatz, darunter 16 Pro Motion, 18 iPointe und 26 Tetra X. Diese verschiedenen Typen übernehmen unterschiedliche Aufgaben in der Inszenierung – von dynamischen Lichtzeichnungen über gerichtete Beams bis hin zur farbigen Raumausleuchtung, die ein visuelles Spektakel erzeugen.

    Dieter Groß, Geschäftsführer von Robe Deutschland, zeigt sich begeistert: „Wir lieben die Installationen von Christopher Bauder. Ich bin jetzt schon gespannt, welche Ideen er als Nächstes austüftelt und umsetzt.“ Diese Begeisterung spiegelt das hohe Ansehen wider, das Bauders Werke in der Kunst- und Lichttechnik-Community genießen.

    „Forest Seasons“ ist mehr als nur eine Kunstinstallation; es ist Teil des größeren Dark-Matter-Erlebnisraums, den Bauder auf dem ehemaligen Fabrikgelände an der Köpenicker Chaussee in Rummelsburg betreibt. Die Transformator-Halle, die seit März 2025 die bereits bestehende Dauerausstellung und den saisonalen Außenbereich ergänzt, bietet auf 1.000 Quadratmetern Platz für sieben multimediale Installationen. Hier verschmelzen Licht, Bewegung und Klang zu emotionalen Choreografien, die das Publikum in ihren Bann ziehen.

    Die Installation „Forest Seasons“ wird noch bis Oktober 2026 zu sehen sein, geöffnet von Mittwoch bis Sonntag. Besucher haben die Gelegenheit, die faszinierende Verwandlung des Waldes im Rhythmus der Jahreszeiten zu erleben und sich von der innovativen Lichtkunst Christopher Bauders inspirieren zu lassen.

  • Cinegate stellt Geschäftsbetrieb ein: Abwicklung nach über 35 Jahren

    Cinegate stellt Geschäftsbetrieb ein: Abwicklung nach über 35 Jahren

    LGR Reutlingen – 28 Mai 2026 | Die Cinegate GmbH, ein bedeutender Akteur im deutschen Filmmarkt, hat bekannt gegeben, dass sie ihren Geschäftsbetrieb einstellen wird. In einem Schreiben an Kunden und Partner kündigte das Unternehmen eine geordnete Abwicklung an, wobei laufende Projekte wie vereinbart abgeschlossen werden sollen. Nach mehr als 35 Jahren im Bereich der Filmtechnik ist dies ein markanter Einschnitt für die Branche.

    Die Wurzeln von Cinegate reichen bis ins Jahr 1988 zurück, als Martin Abert die Firma Cine Rent gründete. Im Jahr 2001 fusionierte Cine Rent mit Cine Licht, das ebenfalls 1989 ins Leben gerufen wurde, und die Cinegate GmbH entstand. In der Folge entwickelte sich das Unternehmen zu einem der größten Filmtechnik-Verleiher in Deutschland, mit Studios in Hamburg, Berlin und Köln sowie Produktionsbüros in nahezu allen Bundesländern. Das umfangreiche Sortiment umfasste Kamera-, Licht- und Bühnentechnik, Stromaggregate und Fahrzeuge.

    Seit 2010 war Cinegate Teil der PRG-Gruppe und firmierte zuletzt unter dem Namen PRG Cinegate. Doch trotz der langen Geschichte und der bedeutenden Marktpräsenz sieht sich das Unternehmen nun gezwungen, seine Pforten zu schließen. Die Gründe für diese Entscheidung sind vielfältig und spiegeln die Herausforderungen wider, mit denen die gesamte Branche konfrontiert ist.

    Cinegate stellt Geschäftsbetrieb ein: Abwicklung nach über 35 Jahren

    Die wirtschaftliche Lage im Produktionsmarkt hat sich in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert. Cinegate nennt rückläufige Projektvolumina, verschärften Wettbewerb, steigenden Preisdruck und einen hohen Investitionsbedarf als Hauptgründe für die Schließung. In den vergangenen Monaten wurden verschiedene Alternativen geprüft, jedoch konnte keine tragfähige Perspektive für eine Fortführung des Unternehmens gefunden werden.

    Die Abwicklung wird geordnet vonstattengehen, und das Unternehmen hat zugesichert, dass bereits laufende Projekte wie vereinbart ausgeliefert und abgeschlossen werden. Dies gibt den Kunden und Partnern eine gewisse Sicherheit in einer Zeit, die für viele in der Branche von Unsicherheit geprägt ist.

    Die Schließung von Cinegate hat nicht nur Auswirkungen auf die Mitarbeiter, sondern auch auf die vielen Partnerunternehmen und die gesamte Filmproduktionslandschaft in Deutschland. Cinegate hat über die Jahre hinweg viele Produktionen unterstützt und war ein zentraler Bestandteil des deutschen Film-Ökosystems. Die Abwicklung des Unternehmens könnte somit auch eine Lücke im Markt hinterlassen, die nur schwer zu füllen sein wird.

    Für die Mitarbeiter von Cinegate bedeutet die Schließung nicht nur das Ende ihrer beruflichen Heimat, sondern auch eine ungewisse Zukunft. Die Filmbranche ist bekannt für ihre Dynamik, und viele Fachkräfte könnten Schwierigkeiten haben, adäquate neue Beschäftigungen zu finden, insbesondere in einem Markt, der sich im Wandel befindet.

    Die Entscheidung zur Schließung von Cinegate ist ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen, die Unternehmen in der heutigen Zeit bewältigen müssen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der technologische Wandel führen zu einer Konsolidierung in vielen Branchen, und der Filmsektor bleibt davon nicht unberührt.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schließung von Cinegate ein bedauerlicher, aber nicht überraschender Entwicklungsschritt ist. Die Herausforderungen, die die Branche plagen, sind komplex und erfordern innovative Lösungen und Anpassungsfähigkeit der Akteure. Die Schließung eines solch etablierten Unternehmens könnte als Warnsignal für andere Unternehmen in der Branche dienen, sich den veränderten Marktbedingungen anzupassen, um langfristig bestehen zu können.