Tag: Wettbewerbsfähigkeit

  • Digitale Resilienz im B2B-Handel wird zum Wettbewerbsfaktor: Warum Unternehmen jetzt handeln müssen

    Digitale Resilienz im B2B-Handel wird zum Wettbewerbsfaktor: Warum Unternehmen jetzt handeln müssen

    LGR Reutlingen – 23 Juni 2026 | Die Anforderungen an den B2B-Handel steigen rasant: Effizienz, Sicherheit und Datenverfügbarkeit sind längst keine bloßen Schlagworte mehr, sondern harte Wettbewerbskriterien. Eine aktuelle Analyse des IFH Köln zeigt, dass Unternehmen ihre IT-Infrastruktur strategisch weiterentwickeln müssen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei wird deutlich: Digitale Resilienz im B2B-Handel wird zum Wettbewerbsfaktor – und zwar für alle Marktteilnehmer, unabhängig von ihrer Größe.

    Die Herausforderungen sind vielfältig und miteinander verflochten. Hohe Betriebs- und Wartungskosten, der Mangel an Fachkräften und veraltete Software belasten viele Unternehmen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die IT-Sicherheit und die Integration neuer Anwendungen. In diesem Spannungsfeld sind Modernisierungsprojekte zwar notwendig, binden aber erhebliche Ressourcen. Wenn Systeme nicht effizient zusammenarbeiten oder Daten nur mit großem Aufwand ausgetauscht werden können, entstehen operative Reibungsverluste. Diese beeinträchtigen nicht nur die Effizienz, sondern auch die Fähigkeit, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren.

    Flexible Systemarchitekturen als Schlüssel zur Resilienz

    Die Flexibilität der IT-Landschaft wird zunehmend zum strategischen Erfolgsfaktor. Während ein Teil der Unternehmen bereits auf moderne Schnittstellenlösungen setzt, dominieren in vielen Fällen weiterhin starre Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Diese erschweren die Integration neuer Anwendungen und limitieren die Skalierbarkeit. Die steigende Investitionsbereitschaft zeigt jedoch, dass der Handlungsdruck erkannt ist. Besonders größere Unternehmen planen, ihre IT-Ausgaben deutlich zu erhöhen. Kleinere Betriebe agieren hingegen zurückhaltender, was die Kluft in der digitalen Entwicklung weiter vergrößern könnte.

    Ein Beispiel aus der Praxis: Ein mittelständischer Maschinenbauer, der bislang auf individuell programmierte Schnittstellen setzte, investiert nun in eine API-basierte Integrationsplattform. Das Ziel: Daten aus ERP, CRM und dem Shop-System in Echtzeit zu synchronisieren. Solche Investitionen zahlen sich langfristig aus, denn sie senken nicht nur die Betriebskosten, sondern erhöhen auch die Agilität. Unternehmen, die jetzt nicht umrüsten, riskieren, den Anschluss zu verlieren – insbesondere, wenn Kunden und Lieferanten zunehmend automatisierte Prozesse erwarten.

    Datenkontrolle wird zur strategischen Kernfrage

    Neben technologischer Leistungsfähigkeit rückt die Kontrolle über Daten in den Mittelpunkt. Für viele Unternehmen ist digitale Souveränität bereits heute ein zentrales Thema. Die Fähigkeit, Daten eigenständig zu verwalten und Abhängigkeiten von externen Anbietern zu reduzieren, gewinnt an Bedeutung. Der verbreitete Einsatz internationaler IT-Lösungen bringt zwar Flexibilität, geht jedoch mit Risiken einher. Rechtliche Unsicherheiten und geopolitische Entwicklungen erhöhen den Druck, Datenstrukturen transparenter und sicherer zu gestalten.

    Die Analyse des IFH Köln unterstreicht, dass digitale Resilienz im B2B-Handel zum Wettbewerbsfaktor wird, der nicht allein durch Technologieeinsatz erreicht werden kann. Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz: Unternehmen müssen ihre IT-Landschaft umfassend überprüfen und strategisch weiterentwickeln. Entscheidend ist nicht allein die Einführung neuer Technologien, sondern deren reibungslose Integration. Flexible, skalierbare und sichere Systeme bilden die Grundlage für langfristige Stabilität.

    Ein weiterer Aspekt ist der bewusste Umgang mit Abhängigkeiten. Viele B2B-Händler setzen auf Cloud-Plattformen globaler Anbieter. Das bietet Vorteile, birgt aber auch Risiken: Was passiert, wenn ein Anbieter seine Preise drastisch erhöht oder die Datenhoheit in Frage steht? Unternehmen, die ihre Strukturen transparent gestalten und gezielt in Interoperabilität investieren, können solche Risiken besser steuern. Sie stärken nicht nur ihre Anpassungsfähigkeit, sondern auch ihre Position im Wettbewerb.

    Die Botschaft der IFH-Analyse ist klar: Digitale Resilienz im B2B-Handel wird zum Wettbewerbsfaktor, und die Zeit zum Handeln ist jetzt. Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur flexibilisieren, in moderne Schnittstellen investieren und die Kontrolle über ihre Daten behalten, werden die Gewinner der nächsten Jahre sein. Diejenigen, die auf starren Systemen beharren, riskieren, von dynamischeren Wettbewerbern überholt zu werden. Der Wandel ist kein Selbstzweck – er ist die Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft.

  • ifo warnt vor KI-Abhängigkeit: Europa droht strategischer Rückstand

    ifo warnt vor KI-Abhängigkeit: Europa droht strategischer Rückstand

    LGR Reutlingen – 22 Juni 2026 | Die europäische Abhängigkeit von US-amerikanischen KI-Anbietern ist längst kein theoretisches Risiko mehr – sie wird zur handfesten strategischen Bedrohung. Das ifo-Institut schlägt Alarm: ifo warnt vor KI-Abhängigkeit Europa droht strategischer Rückstand, und zwar in einer Geschwindigkeit, die viele politische Entscheidungsträger offenbar noch nicht vollständig erfasst haben. ifo-Präsident Clemens Fuest sieht die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Souveränität des Kontinents in Gefahr, falls nicht umgehend gegengesteuert wird.

    Auslöser der aktuellen Debatte ist eine Entscheidung der US-Regierung, ausländischen Nutzern den Zugang zu besonders leistungsfähigen KI-Modellen einzuschränken. Für Fuest ein Weckruf: „Der Vorgang zeigt, wie verwundbar Europa ist.“ Zentrale Bereiche wie Forschung, Industrie und Verteidigung seien zunehmend auf externe KI-Infrastruktur angewiesen. Ein plötzlicher Ausschluss von diesen Technologien könnte die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsstärke Europas massiv beeinträchtigen. Was lange als abstrakte Gefahr galt, wird nun konkret: Die USA nutzen ihre technologische Dominanz als geopolitisches Druckmittel.

    ifo warnt vor KI-Abhängigkeit: Europa droht strategischer Rückstand – die Zahlen sind erschreckend

    Der Blick auf die globalen Rechenkapazitäten macht das Ausmaß des Problems deutlich. Rund 75 Prozent der weltweiten Hochleistungs-Rechenkapazitäten für moderne KI befinden sich in den USA, China kontrolliert etwa 15 Prozent. Europa kommt auf weniger als fünf Prozent. Damit ist der Kontinent vor allem Nutzer, nicht Entwickler oder Eigentümer der zentralen Technologien – ein struktureller Nachteil, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Das ifo-Institut betont: Ohne eigene Rechenzentren, Chipfabriken und eine leistungsfähige Energieinfrastruktur wird Europa zum Spielball externer Mächte. Die Abhängigkeit betrifft nicht nur große Tech-Konzerne, sondern zieht sich durch alle Wirtschaftszweige – von der Automobilindustrie bis zur Pharmaforschung.

    Die Mahnung des ifo-Instituts kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen eigentlich eine stärkere digitale Souveränität anstrebt. Doch die Umsetzung hinkt hinterher. Während die USA mit massiven Subventionen und einer deregulierten Innovationspolitik vorpreschen und China seine Staatskonzerne gezielt fördert, verzettelt sich Europa in Regulierungsdebatten und Förderprogrammen, die oft an der Realität vorbeigehen. Fuest fordert daher eine grundlegende Neuausrichtung: „Europa muss endlich begreifen, dass KI keine optionale Spielerei ist, sondern eine Schlüsseltechnologie, die mit der industriellen Revolution vergleichbar ist – nur mit deutlich höherem Tempo.“

    Drei Handlungsfelder: Rechenzentren, Energie und eine kohärente Strategie

    Um die Abhängigkeit zu reduzieren, hat das ifo-Institut drei zentrale Handlungsfelder identifiziert. Erstens müsse der Ausbau von Rechenzentren, Chipfabriken und der dazugehörigen Energieinfrastruktur massiv beschleunigt werden. Genehmigungsverfahren müssten drastisch verkürzt, Investitionen steuerlich begünstigt werden. Zweitens sei eine sichere und ausreichende Energieversorgung entscheidend – leistungsfähige KI-Systeme sind Stromfresser. Fuest bringt sogar unkonventionelle Maßnahmen ins Spiel, wie die Reaktivierung stillgelegter Kraftwerke, um den Energiebedarf zu decken. Drittens fordert er eine kohärente europäische Strategie zur Förderung eigener KI-Kapazitäten. Dazu gehöre auch eine Überprüfung bestehender Regulierungen, die Innovationen bremsen könnten – etwa die viel kritisierte EU-Datenschutzgrundverordnung, die in ihrer aktuellen Form oft als Innovationshemmnis gilt.

    Die wirtschaftlichen Implikationen sind enorm. Laut ifo droht Europa langfristig ins Hintertreffen zu geraten, wenn nicht entschlossen gehandelt wird. Zentrale Wertschöpfungsketten könnten an andere Regionen verloren gehen – mit gravierenden Folgen für Arbeitsplätze und Wohlstand. Besonders brisant: Die Abhängigkeit betrifft nicht nur zivile Anwendungen, sondern auch militärische und sicherheitsrelevante Bereiche. In einer Zeit, in der geopolitische Spannungen zunehmen, wird die Kontrolle über KI-Infrastruktur zum strategischen Machtfaktor.

    Doch nicht alle Experten teilen die düstere Prognose des ifo-Instituts. Kritiker argumentieren, dass Europa durchaus über starke Forschungseinrichtungen und einige vielversprechende KI-Startups verfüge. Zudem sei eine vollständige Autarkie weder realistisch noch wünschenswert, da internationale Kooperationen essenziell für den technologischen Fortschritt seien. Fuest kontert: Es gehe nicht um Abschottung, sondern um strategische Autonomie. Europa müsse in der Lage sein, eigene KI-Systeme zu entwickeln und zu betreiben, um nicht erpressbar zu sein. Die aktuelle Abhängigkeit sei ein „strukturelles Risiko“, das durch die jüngsten US-Exportbeschränkungen für KI-Chips noch verschärft werde.

    Die Diskussion kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Während die EU-Kommission noch über die Details des AI Acts debattiert, schreitet die technologische Entwicklung rasant voran. Die USA haben mit dem CHIPS Act und massiven Förderprogrammen für KI bereits die Weichen gestellt. China investiert Milliarden in eigene Chipfabriken und Rechenzentren. Europa droht zwischen den Fronten zerrieben zu werden – wenn es nicht endlich handelt. Das ifo-Institut hat den Finger in die Wunde gelegt. Nun liegt es an der Politik, die Warnung ernst zu nehmen und die notwendigen Schritte einzuleiten. Die Zeit drängt.

  • Österreichs Wettbewerbsfähigkeit im Sinkflug: IMD-Ranking 2026

    Österreichs Wettbewerbsfähigkeit im Sinkflug: IMD-Ranking 2026

    LGR Reutlingen – 18 Juni 2026 | Das aktuelle IMD-Ranking 2026 bestätigt, was viele Handelsunternehmen seit Jahren spüren: Österreich verliert schrittweise an Wettbewerbsfähigkeit. Der Handelsverband spricht von einer „Abstiegszone“ und fordert konsequente Reformschritte, um die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern.

    IMD-Ranking 2026: Österreich fällt bei Wettbewerbsfähigkeit zurück

    Österreich ist Weltmeister im Ankündigen von Reformen, bei der Umsetzung aber seit Jahren in der Abstiegszone. Das aktuelle IMD-Ranking bestätigt, was viele Handelsunternehmen seit Jahren spüren: Österreich verliert schrittweise an Wettbewerbsfähigkeit und schwächt mit einer Paketsteuer, die ihren Zweck eindrucksvoll verfehlt, ausgerechnet jene Unternehmen, die investieren und Arbeitsplätze schaffen.

    Der Handel muss damit einmal mehr als reine Melkkuh für ein Budgetdefizit herhalten, das auch auf jahrelang verschleppte Reformen zurückzuführen ist, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Staatliche Effizienz wird zum Wettbewerbsfaktor: Österreich verfügt weiterhin über starke Grundlagen, von qualifizierten Fachkräften über eine leistungsfähige Infrastruktur bis hin zu innovativen Unternehmen.

    Reformen und Digitalisierung als Schlüsselfaktoren

    Gleichzeitig verliert der Standort jedoch an Boden, wo politische Entscheidungen und staatliche Rahmenbedingungen unmittelbar Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit haben, sagt Will. Seit dem Höchststand 2007 hat Österreich im IMD-Ranking 18 Plätze verloren, allein seit 2020 ging es um 13 Plätze nach unten. Seit Jahren werden dieselben Schwachstellen identifiziert: hohe Lohnnebenkosten, überbordende Bürokratie, langwierige Verfahren und eine wachsende regulatorische Belastung.

    Jetzt braucht es endlich konsequente Reformschritte, fordert der Handelsverband. Mehr Tempo bei Genehmigungsverfahren und Steuerrückzahlungen sei besonders wichtig. Der Handelsverband bewertet das schwache Abschneiden bei der staatlichen Effizienz als kritisch: Langwierige Genehmigungsverfahren, regulatorische Komplexität und langsame Verwaltungsprozesse bremsen Investitionen und binden unnötig Ressourcen.

    Der Handelsverband fordert deshalb einen konsequenten Bürokratieabbau, eine umfassende Digitalisierung der Verwaltung, deutlich schnellere Verfahren sowie eine spürbare Entlastung bei den Arbeitskosten. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Budgets muss der Staat dort ansetzen, wo Verbesserungen ohne hohe Zusatzkosten möglich sind: bei Effizienz und Geschwindigkeit.

  • Die nächste lahme Behörde? Hintergründe zum KI-Institut für Deutschland

    Die nächste lahme Behörde? Hintergründe zum KI-Institut für Deutschland

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Die Bundesregierung hat kürzlich die Gründung eines eigenen KI-Sicherheitsinstituts beschlossen. Das Deutsche AI Security Institute (DE-AISI) soll dazu dienen, neue KI-Modelle zu testen, Risiken zu bewerten und den Staat handlungsfähig zu machen – und das alles, bevor es zu spät ist. Doch zwischen den ambitionierten Zielen und der tatsächlichen Umsetzung gibt es zahlreiche offene Fragen, insbesondere hinsichtlich des Budgets, des Personals und der Abgrenzung zu bestehenden Behörden.

    Was genau steckt hinter dem neuen KI-Sicherheitsinstitut? Laut einer offiziellen Mitteilung des Nationalen Sicherheitsrates soll ein neues Gremium geschaffen werden, das die Chancen und Risiken moderner KI-Modelle besser einschätzen kann. Ziel ist es, die Kapazitäten zur Analyse von Künstlicher Intelligenz zu bündeln und internationale Standards voranzutreiben. Das neue Institut wird vorerst als virtuelle Institution agieren, die auf bestehende Strukturen der Bundesnetzagentur und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zurückgreifen kann. Langfristig ist jedoch ein eigener Standort geplant.

    Das DE-AISI wird sich insbesondere mit Fragen der KI-Cybersicherheit und der Entwicklung sicherer KI-Produkte beschäftigen. Während andere Länder bereits ähnliche Einrichtungen etabliert haben, will Deutschland nun aufholen. Ein Kernziel des Nationalen Sicherheitsrates ist die Schaffung eines Expertenteams, das in der Lage ist, neue KI-Modelle wie Claude Mythos von Anthropic schnell zu testen und die Bundesregierung sowie die öffentliche Verwaltung zu beraten. Dies ist besonders relevant, da Anthropic den Zugriff auf sein Modell zunächst nur einem kleinen Kreis von US-Unternehmen und -Behörden gestattet hatte – aus Angst, dass die KI Sicherheitslücken aufdecken könnte, die dann missbraucht werden könnten.

    Warum das Institut keine neue Regulierungsbehörde ist

    Die Ankündigung eines neuen Instituts hat in der Öffentlichkeit bereits zu kritischen Stimmen geführt. Oft wird das DE-AISI als ein weiterer Bürokratie-Baustein und als Geldverschwendung wahrgenommen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass das Institut nicht die Aufgabe hat, zusätzliche Regulierungen einzuführen. Der AI Act der EU hat bereits ein umfassendes Regelwerk geschaffen. Das Ziel des neuen Instituts ist vielmehr, ein tiefes Verständnis für moderne KI-Systeme zu entwickeln, um Risiken zu erkennen und diese Technologien effektiv nutzen zu können.

    Das DE-AISI soll als technische Prüf- und Beratungsstelle fungieren und nicht als Aufsichtsbehörde, die Unternehmen mit zusätzlichen Formularen belastet. Während der AI Act klare Regeln aufstellt, soll das Institut in der Lage sein, die Fähigkeiten neuer Modelle zu analysieren und frühzeitig Risiken zu bewerten. Es ist der Anspruch des Staates, nicht nur als Schiedsrichter aufzutreten, sondern aktiv am Spiel teilzunehmen. In einer Zeit, in der sich die Entwicklung leistungsfähiger KI schneller vollzieht, als Gesetzestexte verfasst werden können, ist dies ein nachvollziehbarer Ansatz.

    Allerdings bleibt die Frage, wie die Kosten des Instituts im Verhältnis zum Nutzen für die Bürger stehen. Die Skepsis gegenüber der Schaffung einer neuen Struktur ist nicht unbegründet, insbesondere wenn man bedenkt, dass Deutschland in der Vergangenheit oft Schwierigkeiten hatte, bestehende Kompetenzen effektiv zu bündeln. Der institutionelle Geschlechtsverkehr, wie es manchmal genannt wird, führt nicht automatisch zu besserer Sicherheitsvorsorge. Die Geschichte der deutschen Digitalpolitik hat zahlreiche Beispiele hervorgebracht, in denen man auf der falschen Seite landete.

    Die Stimmen von Experten wie Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung des Digitalverbands Bitkom, bekräftigen jedoch, dass die Einrichtung eines Sicherheitsinstituts für KI notwendig ist. Sie betont, dass Deutschland die Voraussetzungen schaffen muss, um Risiken frühzeitig fundiert einschätzen zu können. Das DE-AISI sollte ein klares Forschungsmandat erhalten, das sich von bestehenden Einrichtungen abgrenzt. Im Zentrum steht die Analyse neuer systemischer Risiken für die Sicherheit und Souveränität Deutschlands.

    Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, hebt hervor, dass KI-Systeme zuverlässig geprüft werden müssen. Wissenschaftlich fundierte Methoden zur Bewertung dieser Systeme sind entscheidend, um Unternehmen bei der sicheren Entwicklung und dem Einsatz von KI wirkungsvoll zu unterstützen. Die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Aufsichtsbehörden ist hier unerlässlich.

    In sozialen Medien und Diskussionsforen wird die Gründung des Instituts jedoch kritisch betrachtet. Einige Nutzer äußern Bedenken, dass dies nur zu einer weiteren Aufblähung des Beamtenapparats führen könnte. Es gibt auch Bedenken, dass dies die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen im Bereich KI beeinträchtigen könnte. Die Befürchtung, dass Deutschland hinter seinen internationalen Konkurrenten zurückbleibt, ist weit verbreitet.

    Offene Fragen und Herausforderungen

    Die entscheidende Frage bleibt, ob das neue deutsche KI-Sicherheitsinstitut tatsächlich als Frühwarnzentrale fungieren kann oder ob es lediglich in der nächsten Verwaltungsebene verpufft. Die Sorgen vor einem weiteren Regulierungsapparat und einer bürokratischen Hürde sind nicht unbegründet. Im digitalen Umfeld, das von Geschwindigkeit geprägt ist, kann jede zusätzliche Abstimmung den Wettbewerbsnachteil vergrößern.

    Bisher sind viele zentrale Fragen noch ungeklärt. Die Bundesregierung hat nicht detailliert erklärt, wie das Institut personell ausgestattet werden soll oder wie hoch das Budget ausfallen wird. Auch die Abgrenzung zum BSI bleibt vage. Wo Zuständigkeiten verschwimmen, entstehen häufig Reibungsverluste, die Deutschland oft zuverlässiger produziert als digitale Innovationen.

    Es wird entscheidend sein, hochqualifizierte Fachleute zu gewinnen und eine unabhängige technische Expertise aufzubauen. Die nächste Generation von KI-Modellen wird nicht darauf warten, bis Behörden ihre internen Abläufe geregelt haben. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus einer Sicherheitsinitiative kein reines Beschäftigungsprogramm für die Verwaltung zu schaffen, sondern ein effizientes und effektives Institut, das tatsächlich einen Mehrwert bietet.

    Der Erfolg des neuen KI-Sicherheitsinstituts wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Während Deutschland die Weichen für die Zukunft der KI stellt, bleibt abzuwarten, ob es gelingt, die Balance zwischen Sicherheit und Innovation zu finden.

  • Bosch-Aufsichtsratschef: Den Wandel „dynamisch mitgehen“

    Bosch-Aufsichtsratschef: Den Wandel „dynamisch mitgehen“

    LGR Reutlingen – 31 Mai 2026 | Stefan Asenkerschbaumer, der Aufsichtsratsvorsitzende von Bosch, hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die aktuellen Herausforderungen der europäischen Automobilbranche erörtert. Besonders die Zulieferer stehen unter Druck, da die globalen Produktionszahlen stagnieren und in Europa sogar rückläufig sind. Bosch, als größter Autozulieferer weltweit, hat angekündigt, in seiner Autosparte 22.000 Stellen abzubauen. Trotz dieser düsteren Aussichten zeigt sich Asenkerschbaumer optimistisch und betont, dass das Unternehmen im Bereich des automatisierten Fahrens gut aufgestellt sei.

    Die Situation für Bosch ist nicht nur wegen der stagnierenden Autoproduktion herausfordernd, sondern auch aufgrund der signifikant rückläufigen Wertschöpfungstiefe in der Antriebstechnik, dem wichtigsten Geschäftsfeld des Unternehmens. Während ursprünglich ein Abbau von 12.000 Stellen bis Anfang 2025 geplant war, hat Bosch nun die Zahl auf insgesamt 28.000 Stellen über alle Sparten hinweg erhöht. Dies zeigt, wie stark die Transformation der Branche die Strukturen im Unternehmen betrifft.

    Blick in die Zukunft: Optimismus trotz Krisensymptome

    Trotz der angespannten Lage bleibt der Aufsichtsratschef optimistisch: „Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft. Durch unsere Innovationskraft gehen wir den Wandel dynamisch mit und stellen uns den strukturellen Veränderungen.“ Insbesondere im Bereich des „Vehicle Motion Management“, welches die elektronische Steuerung von Lenkung, Bremse, Dämpfung und Fahrwerk umfasst, sieht Bosch seine Stärke. Asenkerschbaumer hebt hervor: „Auch beim automatisierten Fahren gibt es kaum einen Zulieferer, der eine so breite Kompetenz hat wie Bosch.“

    Die Transformation hin zur Elektromobilität bringt jedoch auch Unsicherheiten mit sich. Uneindeutige politische Signale, wie etwa das Zurückrudern Deutschlands bei den CO₂-Zielen der EU, machen es den Unternehmen schwer, klare Strategien zu entwickeln. Bosch hat in der Vergangenheit hohe Summen in die Elektromobilität investiert, plant jedoch nun Rückschritte in diesem Bereich.

    „Fehler“ bei den Investitionen in die Elektromobilität sieht Asenkerschbaumer nicht, da 99 Prozent der Marktteilnehmer ähnliche Erwartungen hatten. „Keiner kann von sich behaupten, in den nächsten 100 Jahren alle Zukunftsinvestitionen richtig zu setzen. Das ist Unternehmertum, Unsicherheit gehört dazu. Nichts zu tun und abzuwarten, wäre aber auch falsch“, so der Aufsichtsratschef.

    Der Einstieg in die Batteriezellenproduktion hält Asenkerschbaumer für zu riskant. „Wir hätten 20 Milliarden Euro investieren müssen, um auf einen Marktanteil von 20 Prozent zu kommen. Dieses Geld hätte uns dann für andere Investitionen gefehlt.“ Hinzu kommt, dass die Abhängigkeiten bei der Batteriezelle groß sind, insbesondere in Bezug auf Rohstoffe, die 75 Prozent der Herstellungskosten ausmachen.

    Eigenverantwortung der Unternehmen und die Herausforderung für Europa

    Asenkerschbaumer betont die Notwendigkeit, ein starkes Ökosystem in Europa aufzubauen, das alle Akteure von Rohstofflieferanten über Produzenten bis hin zu den Kunden umfasst. Er warnt, dass Europa im Vergleich zu China, das mit seinen Fünfjahresplänen und deren Umsetzung sehr viel weiter ist, unter Druck steht. „Die Politik muss sich in einem sehr dynamischen Umfeld langfristige Ziele setzen“, fordert er.

    Dennoch mahnt er zur Eigenverantwortung der Unternehmen, ihre Marktaussichten zu bewerten, insbesondere wenn die Politik, wie im Fall der Elektromobilität, nicht die versprochenen Rahmenbedingungen schafft. Bosch konzentriert sich daher auf eine umfassende Restrukturierung des Unternehmens. „Die Auslastung der Automobilhersteller in Europa liegt nur noch knapp über 60 Prozent, und das spüren wir in Deutschland“, erklärt Asenkerschbaumer. Internationale Standorte seien ebenfalls betroffen, und er warnt: „Es wäre fatal, nur abzuwarten und mit Umsätzen aus dem Ausland das Geschäft im Inland zu stützen.“

    Der Aufsichtsratsvorsitzende ist jedoch überzeugt, dass die europäische Automobilindustrie nicht zum Scheitern verurteilt ist. Er sieht großes Potenzial, insbesondere in der Vollendung des europäischen Binnenmarktes, die einen massiven Bürokratieabbau erfordert. „Wir müssen den Mut haben, dieses Projekt voranzutreiben, auch wenn es mühselig und langwierig ist“, sagt er und fordert konkrete Maßnahmen statt Klagen über die Situation.

    Was die Wettbewerbsfähigkeit von Bosch betrifft, zeigt sich Asenkerschbaumer „vorsichtig optimistisch“ für das Jahr 2026, nachdem der operative Gewinn 2025 positiv war. Mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau im ersten Quartal 2026 plant das Unternehmen, die Ergebnisse weiter zu verbessern. Doch die geopolitischen Spannungen, insbesondere der Irankrieg, könnten zu höheren Preisen und Ausfällen bei Vorprodukten führen, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. „Das ist hochkomplex und kann noch keiner abschätzen. Da müssen wir die nächsten Monate abwarten“, schließt Asenkerschbaumer.