Tag: Technologie

  • Social-Media-Verbot in UK: Tech-Prominenz Musk und Durov warnen vor Folgen

    Social-Media-Verbot in UK: Tech-Prominenz Musk und Durov warnen vor Folgen

    LGR Reutlingen – 16 Juni 2026 | Die Regierung von Premierminister Keir Starmer hat ein weitreichendes Verbot für die Nutzung großer sozialer Netzwerke durch unter 16-Jährige angekündigt. Betroffen wären Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook, YouTube und X. Interessanter ist bislang ohne Begründung Bluesky davon ausgenommen.

    Die Regelung soll nach Angaben der Regierung dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Online-Gefahren dienen und voraussichtlich ab 2027 in Kraft treten. Durov: Verbote treiben Jugendliche in riskante Bereiche. Besonders scharf reagierte noch am selben Tag Pavel Durov. Der Telegram-Gründer warnte davor, dass ein Verbot sozialer Netzwerke den gegenteiligen Effekt haben könne.

    Social-Media-Verbot in UK: Musk und Durov warnen vor Folgen

    "Banning social media for teenagers only puts them in greater danger.", so Durov in einem Beitrag auf X. Durov argumentiert, Jugendliche würden nicht einfach auf digitale Kommunikation verzichten. Stattdessen seien sie gezwungen, technische Umgehungsmöglichkeiten wie VPN-Dienste zu nutzen. Dadurch erhielten sie Zugang zu deutlich weniger regulierten Bereichen des Internets.

    Als Beispiel verweist Durov auf Erfahrungen aus Russland. Nachdem die russischen Behörden Telegram zeitweise blockiert hatten, hätten laut Durov rund 95 Prozent der Jugendlichen den Dienst weiterhin genutzt – lediglich über VPN-Verbindungen und andere Umgehungstechnologien.

    Elon Musk sieht Gefahr staatlicher Überwachung

    Noch heftiger fiel die Kritik von Elon Musk aus. Der durch den SpaceX-Börsengang neu gekrönte Billionär bezeichnete das britische Gesetz als Tarnung für weitergehende staatliche Kontrollmechanismen. "This censorship law is a wolf in sheep's clothing. The real goal is to enable the UK government to track everyone.", schreibt Musk in einem Beitrag auf X.

    Musk knüpft damit an seine seit Jahren vertretene Position an, wonach Altersverifikationen und digitale Identitätsnachweise zwangsläufig zu einer stärkeren Überwachung der Bevölkerung führen könnten. Kritiker entsprechender Gesetze argumentieren, dass Plattformen zur Durchsetzung von Altersgrenzen umfangreiche Identitätsprüfungen einführen müssten, wodurch zusätzliche personenbezogene Daten erhoben und gespeichert würden.

    Die britische Regierung verteidigt den Vorstoß hingegen als notwendige Reaktion auf zunehmende Sorgen über psychische Belastungen, Cybermobbing und problematische Inhalte auf digitalen Plattformen. Premierminister Starmer sprach von einer gesellschaftlichen Verantwortung, Kinder besser vor den negativen Folgen sozialer Medien zu schützen.

    Nach Regierungsangaben unterstützen rund 90 Prozent der befragten Eltern eine Anhebung des Mindestalters auf 16 Jahre. Auch mehrere Tech-Konzerne haben allerdings Zweifel an der Wirksamkeit eines Totalverbots geäußert. Sie warnen davor, dass Jugendliche auf unregulierte Plattformen oder technische Umgehungslösungen ausweichen könnten – ein Argument, das nun auch Durov und Musk aufgreifen.

    Die Auseinandersetzung in Großbritannien steht exemplarisch für eine globale Debatte. Nach Australien prüfen inzwischen zahlreiche Staaten strengere Altersgrenzen für soziale Netzwerke. Auch in Deutschland wird bereits eine vergleichbare Debatte geführt, die im Kontext der Einführung der digitalen Brieftasche ab 2027 sicher an Fahrt gewinnen wird.

    Befürworter sehen darin einen notwendigen Schutz junger Menschen vor den negativen Auswirkungen digitaler Plattformen. Gegner warnen vor einer Kombination aus ineffektiven Verboten, wachsender staatlicher Kontrolle und einer Verlagerung der Nutzung in schwer kontrollierbare Bereiche des Internets.

    Mit den Wortmeldungen von Musk und Durov erhält diese Debatte nun zusätzliche internationale Aufmerksamkeit. Beide Unternehmer vertreten die These, dass Verbote das eigentliche Problem nicht lösen, sondern lediglich aus dem sichtbaren Teil des Internets verdrängen.

  • 20 Jahre Intel Macs: Warum Apple den Wechsel wagte und erneut umkehrte

    20 Jahre Intel Macs: Warum Apple den Wechsel wagte und erneut umkehrte

    LGR Reutlingen – 16 Juni 2026 | Als Apple im Juni 2020 den Sprung zu eigenem Silicon ankündigte, stand die Tech-Welt kurz vor einer der bedeutendsten Plattformwechsel in der Geschichte des Personal Computers. Doch die Vorgeschichte dieses Umbruchs reicht zurück zu einer Dekade, die von einem anderen Paradigma beherrscht wurde: 20 years of Intel Macs Why Apple switched, and why it switched again. In den vergangenen zwanzig Jahren haben Intel‑basierte Macs nicht nur die Produktpalette von Apple erweitert, sondern auch die Art und Weise, wie Entwickler Software für das Ökosystem von macOS denken, grundlegend verändert.

    Der Beginn der Intel‑Ära lässt sich auf das Jahr 2006 zurückführen, als Steve Jobs öffentlich erklärte, dass Apple von PowerPC zu Intel‑Prozessoren migrieren wolle. Der Hauptgrund war klar: Intel bot eine überlegene Energie‑ und Leistungsbilanz, gleichzeitig ermöglichte die x86‑Architektur den Zugang zu einer breiteren Palette von Software, die zuvor nur unter Windows lief. Für viele Unternehmen bedeutete das, dass sie ihre bestehenden Windows‑Anwendungen nicht mehr doppelt entwickeln mussten, sondern sie dank Apples Rosetta‑Emulation nahtlos auf Macs laufen konnten.

    20 years of Intel Macs Why Apple switched, and why it switched again – ein Rückblick

    Die ersten Intel‑Macs – das MacBook Pro, das iMac und das Mac Mini – überzeugten durch schnellere Prozessoren, bessere Grafik und geringeren Stromverbrauch. Entwickler wie Adobe und Microsoft begannen, native Versionen ihrer Software für macOS zu veröffentlichen, weil die Plattform nun konkurrenzfähiger war. Gleichzeitig profitierte Apple von einer deutlich höheren Marge, weil die Geräte nicht mehr auf teureren, proprietären Chips angewiesen waren.

    Ein weiterer entscheidender Faktor war die langfristige Partnerschaft mit Intel, die Apple Zugang zu den neuesten Fertigungstechnologien verschaffte. Während Intel 2011 den 22‑nm‑Prozess einführte, konnte Apple bereits 2012 Geräte mit 15‑nm‑Chips anbieten – ein Vorsprung, den das Unternehmen später selbst ausbauen sollte.

    Doch die Erfolgsgeschichte war nicht ohne Risse. Ab etwa 2017 begannen Analysten, über die wachsende Abhängigkeit von Intel zu spekulieren. Die steigende Konkurrenz durch AMDs Ryzen‑Reihe und die rapide Entwicklung von ARM‑Architekturen ließen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit von Intel‑Macs aufkommen. Für Apple war das ein Signal: Wer nicht selbst die Kontrolle über die Chipentwicklung hat, bleibt anfällig für Lieferengpässe und Preisdruck.

    Die eigentliche Kehrtwende kam 2020, als Apple die M‑Serie vorstellte – ein System‑on‑Chip (SoC), das CPU, GPU, Neural Engine und Speichercontroller auf einem einzigen Chip integriert. Die Entscheidung war nicht nur technischer, sondern auch strategischer Natur: Durch die Eigenproduktion konnte Apple die Leistung pro Watt maximieren, die Kosten senken und die Lieferkette unabhängiger gestalten.

    Ein häufig übersehener Aspekt des Wechsels ist die Rolle von Rosetta 2. Während das ursprüngliche Rosetta‑Tool im PowerPC‑Zeitalter die Ausführung von Intel‑Binaries ermöglichte, sorgt Rosetta 2 dafür, dass alte Intel‑Apps auf den neuen Apple‑Silicon‑Geräten weiterhin laufen. Dieser Layer hat die Transition für Endnutzer spürbar erleichtert und zeigt, warum Apple nicht sofort alle Intel‑Macs auslaufen ließ – die Unterstützung für macOS 26 wird noch zwei Jahre weiterlaufen.

    Doch warum hat Apple den Wechsel erneut vollzogen? Der Hauptgrund liegt in der wachsenden Nachfrage nach spezialisierter KI‑Leistung. Die M‑Serie beinhaltet eine dedizierte Neural Engine, die Aufgaben wie Bild‑ und Spracherkennung um ein Vielfaches beschleunigt – etwas, das Intel‑Chips in ihrer Standardausführung nicht bieten konnten. Für professionelle Anwendungen, von Videobearbeitung über maschinelles Lernen bis hin zu wissenschaftlichen Simulationen, bedeutete das einen klaren Wettbewerbsvorteil.

    Ein weiterer Treiber ist die globale Chipsituation. Die COVID‑19‑Pandemie hat Lieferketten stark belastet, und Intel hatte mit Fertigungsengpässen zu kämpfen. Apple hingegen kann durch enge Zusammenarbeit mit TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) die Produktion besser planen und schnell auf Marktveränderungen reagieren.

    Für Unternehmen, die auf macOS setzen, hat dieser Wechsel weitreichende Implikationen. Der Support für Intel‑basierte Macs endet mit macOS 26, was bedeutet, dass Sicherheitsupdates und Safari‑Updates für ältere Geräte nach 2025 auslaufen. Unternehmen müssen daher ihre IT‑Strategie überdenken, Budgets für neue Hardware bereitstellen und gleichzeitig die Kompatibilität ihrer internen Anwendungen prüfen.

    Ein interessanter Nebeneffekt ist die wachsende Bedeutung von Virtualisierung. Tools wie Parallels Desktop und VMware Fusion haben bereits lange Unterstützung für Intel‑Macs angeboten, aber mit Apple‑Silicon mussten sie ihre Produkte komplett neu schreiben. Die Tatsache, dass Rosetta 2 weiterhin Intel‑Code ausführen kann, hat den Druck reduziert, aber langfristig wird die Branche vermehrt auf native ARM‑Lösungen setzen.

    Aus Sicht der Entwicklergemeinschaft hat der Wechsel auch neue Chancen eröffnet. Die Apple‑Silicon‑Plattform unterstützt die neueste Version von Swift und bietet erweiterte Frameworks für maschinelles Lernen (Core ML). Für Unternehmen, die eigene Apps entwickeln, bedeutet das, dass sie mit geringeren Energieverbrauch und höherer Performance rechnen können – ein klarer Vorteil gegenüber der vorherigen Intel‑Architektur.

    Ein Blick auf die Marktdaten bestätigt die strategische Logik: Im ersten Quartal 2024 lag der Anteil von Apple‑Silicon‑Macs am Gesamt‑Mac‑Verkauf bei über 70 %. Der Umsatz aus Mac‑Hardware ist seit 2022 kontinuierlich gestiegen, wobei die profitabelsten Modelle die MacBook‑Pro‑Reihe mit M‑Series‑Chips sind. Gleichzeitig sinkt die durchschnittliche Lebensdauer eines Macs, weil die Hardware schneller obsolet wird – ein Trend, der die Branche insgesamt beschleunigt.

    Dennoch gibt es Kritiker, die die Schnelllebigkeit des Ökosystems bemängeln. Einige professionelle Nutzer berichten, dass ihre legacy‑Software – insbesondere spezialisierte CAD‑Pakete – noch nicht vollständig für Apple‑Silicon optimiert ist. In solchen Fällen bleibt die Möglichkeit, über Rosetta 2 zu arbeiten, ein notwendiges Übergangswerkzeug, das aber nicht unbegrenzt verfügbar sein wird.

    Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Entscheidung, von Intel zu eigenem Silicon zu wechseln, ein kalkulierter Schritt war, der sowohl technische als auch geschäftliche Vorteile bietet. Der zweite Wechsel – von den etablierten Intel‑Macs zurück zu einer komplett neuen Architektur – war dabei nicht nur ein technischer Upgrade, sondern ein strategischer Schachzug, um langfristige Unabhängigkeit zu sichern.

    Die nächsten Jahre werden zeigen, wie schnell die gesamte Mac‑Landschaft adaptiert wird. Während macOS 27 im Herbst 2026 erscheinen wird, bleibt die Frage, wie lange Apple die Rosetta‑Kompatibilität aufrechterhält. Sicher ist jedoch, dass 20 years of Intel Macs Why Apple switched, and why it switched again ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der Computerindustrie markiert – ein Kapitel, das sowohl als Meilenstein für Innovation als auch als Warnung für Abhängigkeiten dient.

  • OpenAI erwirbt deutsches KI-Startup Ona zur Stärkung von Codex

    OpenAI erwirbt deutsches KI-Startup Ona zur Stärkung von Codex

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | OpenAI hat offiziell die Übernahme des deutschen KI-Startups Ona bekannt gegeben, das zuvor als Gitpod bekannt war. Die Ankündigung erfolgte am Donnerstag, nachdem Bloomberg zuerst über den Deal berichtete. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht, und die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Ona, 2020 in Kiel gegründet, entwickelt KI-Agenten für die Softwareentwicklung, die Entwicklern helfen, Code zu schreiben, Fehler zu finden und Änderungen direkt in den Entwicklungsumgebungen umzusetzen. Laut eigenen Angaben hat das Unternehmen rund zwei Millionen Entwicklern geholfen, in sicheren, reproduzierbaren Cloud-Umgebungen zu arbeiten. Diese Technologie soll nun das Herzstück der nächsten Phase von OpenAIs Codex bilden.

    Die Übernahme ist für OpenAI keine optionale Erweiterung, sondern eine strategische Notwendigkeit. Codex verzeichnet mittlerweile mehr als fünf Millionen wöchentliche aktive Nutzer – ein Anstieg um 400 Prozent seit Jahresbeginn. Die wertvollsten Aufgaben, die der Agent übernimmt, werden zunehmend über Stunden oder Tage und nicht mehr in Minuten abgewickelt. Um ehrgeizige Aufgaben an Agenten delegieren zu können, ist es notwendig, dass diese nicht an das Gerät gebunden sind, mit dem die Arbeit begonnen wurde. Die Aufgaben müssen auch dann weiterlaufen, wenn das Laptop geschlossen wird und müssen von Smartphones oder Tablets aus überprüfbar, steuerbar und zur Genehmigung bereit sein.

    Hier fehlte OpenAI genau die notwendige Infrastruktur: Ein sicherer, persistenter Ort, an dem Agenten über längere Zeiträume arbeiten können und Zugang zu Tools, Systemen und Kontext haben. Ona bietet diese Ebene. Das kundenkontrollierte Ausführungsmodell des Kieler Unternehmens ermöglicht es Agenten, innerhalb der eigenen Cloud-Umgebung eines Unternehmens zu arbeiten, während OpenAI die Intelligenz und die Orchestrierung bereitstellt. Unternehmen behalten somit die Kontrolle über ihre Infrastruktur, Daten und Sicherheitsgrenzen – also über Fragen wie: Wo laufen die Agenten, was können sie zugreifen, wie sind die Berechtigungen festgelegt, wie wird die Aktivität protokolliert?

    Im Unternehmensgeschäft ist das ein entscheidender Hebel. OpenAI gibt an, mittlerweile mehr als zwei Millionen Geschäftskunden zu bedienen, doppelt so viele wie im Vorjahr. Codex hat sich längst über traditionelle Softwareteams hinausentwickelt: Produktteams, Analysten und andere Wissensarbeiter nutzen den Agenten für Research, Analysen und Automatisierung. Laut OpenAI machen Wissensarbeiter bereits etwa einen von fünf Codex-Nutzern aus und wachsen mehr als dreimal so schnell wie die Kernentwicklergruppe.

    Der Wettbewerbsdruck ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: OpenAI befindet sich im Wettlauf mit Anthropic um die Dominanz im Bereich der KI-Coding-Agenten – Anthropics Claude Code gilt als wesentlicher Treiber für das explosive Wachstum des Rivalen. Beide Unternehmen haben bereits vertrauliche Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Wer im Unternehmenssegment gewinnen will, benötigt nicht nur die besten Modelle, sondern auch die Ausführungsebene, die Unternehmen mit den höchsten Sicherheits- und Compliance-Anforderungen überzeugt. Die Übernahme von Ona reiht sich somit in eine ganze Reihe von jüngsten Deals ein: Im März gab OpenAI die Übernahme des Cybersicherheits-Startups Promptfoo bekannt, im Januar wurde das Health-Tech-Unternehmen Torch für rund 60 Millionen US-Dollar gekauft, und 2025 sorgte der Kauf von Jony Ives Hardware-Startup io, das auf mehr als sechs Milliarden Dollar geschätzt wird, für Schlagzeilen.

    „Agenten brauchen mehr als nur Intelligenz – sie benötigen einen vertrauenswürdigen Arbeitsbereich“, sagt Johannes Landgraf, Mitgründer und CEO von Ona. Er erläutert, dass Ona entwickelt wurde, um Agenten Cloud-Umgebungen mit dem Kontext, der Kontrolle und der Zusammenarbeit zu bieten, die Unternehmen benötigen. Der Beitritt zu OpenAI ermöglicht es, diese Grundlage direkt in Codex zu integrieren.

    Für den in Wien ansässigen VC Speedinvest stellt der Deal einen bedeutenden Exit dar – und bereits den zweiten großen KI-Exit innerhalb kurzer Zeit. Vor wenigen Wochen hatte Speedinvest seine Anteile am Linzer Physik-KI-Startup Emmi AI an Mistral AI verkauft. Speedinvest ist der erste und größte Investor in Ona und hat eng mit dem Unternehmen seit dessen Gründung zusammengearbeitet.

    Emmi AI und Ona stehen beide für dieselbe Entwicklung: KI wandelt sich von allgemeinen Modellen und Chatbots hin zu tief technischen Anwendungen – von industriellen Systemen bis hin zur Entwicklung und Infrastruktur von Unternehmenssoftware. Dies deutet auf einen größeren Trend hin: Österreich hat vielleicht nicht seine eigene Mistral oder OpenAI, aber österreichisches Kapital und Talent helfen, die europäischen KI-Unternehmen aufzubauen, die für die wichtigsten KI-Labore der Welt strategisch relevant werden.

    Speedinvest-CEO Oliver Holle kommentiert die Übernahme: „Europa fragt sich nicht mehr nur, welche Rolle es im KI-Zeitalter spielen wird. Die Übernahme von Ona, einem in Deutschland gegründeten Unternehmen, durch OpenAI zeigt: Europäische Gründer bauen Technologien, die selbst die führenden KI-Unternehmen der Welt benötigen, um KI in der praktischen Anwendung zu realisieren. Genau daran arbeitet Ona für Software-Entwicklungsteams.“ Die Übernahme erfolgt nur wenige Wochen, nachdem Mistral Emmi AI, ein österreichisches Unternehmen, das Physik-KI für Industrie und Wissenschaft nutzbar macht, übernommen hat. Speedinvest war der erste und größte Investor in beiden Unternehmen. Zwei Unternehmen, zwei der wichtigsten KI-Akteure der Welt, und ein klares Signal: Europa baut KI, die wirklich gebraucht wird.

    Bis zum Abschluss bleiben OpenAI und Ona unabhängige Unternehmen. Nach Abschluss der Transaktion wird das Ona-Team zu OpenAI stoßen und mit dem Codex-Team zusammenarbeiten, um sichere, persistente Unternehmensausführungsumgebungen zu erweitern und Codex weltweit in weiteren Unternehmen auszurollen. CEO Johannes Landgraf schrieb auf LinkedIn, dass er immer gedacht hatte, der Verkauf des Unternehmens würde sich wie ein Ende anfühlen – stattdessen fühlt es sich an, als ob sein Lebenswerk größer und wichtiger geworden ist.

  • Prometheus: Jeff Bezos‘ KI-Startup mit 41 Mrd. Dollar Bewertung aus Stealth-Modus

    Prometheus: Jeff Bezos‘ KI-Startup mit 41 Mrd. Dollar Bewertung aus Stealth-Modus

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Jeff Bezos hat am Donnerstag den Vorhang für sein neues KI-Startup, Prometheus, gelüftet. Mit einer beeindruckenden Bewertung von 41 Milliarden US-Dollar und einer Finanzierung von 12 Milliarden US-Dollar hat Prometheus sich sofort einen Platz unter den höchstbewerteten KI-Startups der Welt gesichert, und das noch bevor das Unternehmen ein einziges Produkt vorgestellt hat. Diese Zahlen stechen besonders hervor inmitten der aktuellen Welle von Investitionen in Künstliche Intelligenz.

    Bezos, der einen signifikanten Teil des Kapitals beiträgt, kann sich auf die Unterstützung namhafter Investoren verlassen, darunter JPMorgan, BlackRock und Goldman Sachs sowie die Venture-Capital-Firmen DST Global und Arch Venture Partners. Bereits im November 2025 hatte Prometheus eine erste Finanzierungsrunde über 6,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen.

    Für Bezos ist die Rolle als CEO von Prometheus mehr als nur ein weiteres Investment. Er übernimmt erstmals seit seinem Rückzug von der Spitze von Amazon im Juli 2021 wieder eine operative Führungsposition, gemeinsam mit Co-CEO Vik Bajaj, einem Professor an der Stanford University School of Medicine und Mitbegründer des Alphabet-Forschungslabors Verily. Bezos hat betont, dass ihn das Projekt so sehr begeistert, dass er bereit ist, viel Zeit und Energie hineinzustecken. Künstliche Intelligenz spielt mittlerweile eine zentrale Rolle in seinem unternehmerischen Alltag – sei es bei Amazon, wo er weiterhin als Executive Chairman tätig ist, bei seiner Raumfahrtfirma Blue Origin oder eben bei Prometheus.

    Prometheus Jeff Bezos KI-Startup mit 41 Mrd Dollar Bewertung aus Stealth-Modus

    Diese Rückkehr von Gründern der großen Tech-Konzerne in operative Rollen ist ein bemerkenswerter Trend. So hat Google-Mitgründer Sergey Brin seine operative Tätigkeit in Mountain View wieder aufgenommen, während Larry Page an einem KI-Startup für die Fertigungsindustrie arbeitet. Auch Meta-Chef Mark Zuckerberg hat die KI-Entwicklung seines Unternehmens zur Chefsache erklärt und wirbt aktiv um Top-Forscher. Das Rennen um Innovationen im Bereich Künstliche Intelligenz wird zunehmend auch von den Gründern selbst vorangetrieben.

    Doch was genau plant Prometheus? Das Unternehmen verfolgt das Ziel, im Ingenieurwesen und in der Fertigung eine ähnliche Revolution auszulösen, wie sie Large Language Models für den Textbereich gebracht haben. Bezos spricht von einem „Artificial General Engineer“ – einem KI-System, das Ingenieuren das Entwerfen physischer Objekte erheblich erleichtern soll. Dieses System soll von Wolkenkratzern über Smartphones bis hin zu Flugzeugtriebwerken alles abdecken.

    Im Gegensatz zu herkömmlichen KI-Modellen, die Texte aus dem Internet analysieren, trainiert Prometheus seine Modelle auf Daten aus der physischen Welt. Dies umfasst etablierte physikalische Gesetze, eigene Testdaten sowie Informationen aus Kooperationen mit nicht näher benannten Fertigungsunternehmen. Bezos hat die Vision, dass ein Projekt, das derzeit 100 Ingenieure über zehn Jahre hinweg beschäftigt, künftig von nur zehn Ingenieuren innerhalb eines Jahres realisiert werden kann. Dies würde die Produktionskapazitäten erheblich steigern.

    Bezos weist Bedenken hinsichtlich möglicher Arbeitsplatzverluste zurück. Er sieht vielmehr einen potenziellen Arbeitskräftemangel, da KI den Bau neuer Produkte kostengünstiger und einfacher gestalten könnte. Er vergleicht KI mit einem „Bulldozer statt einer Schaufel“, was die Effizienz in der Industrie steigern soll.

    Prometheus hat ausdrücklich nichts mit Robotik zu tun, betont Bezos. Das Unternehmen beschäftigt rund 150 Mitarbeiter an Standorten in San Francisco, London und Zürich und betreibt einen eigenen großen GPU-Cluster. Zudem rekrutiert es aktiv Talente von führenden KI-Unternehmen wie OpenAI, Google DeepMind und Nvidia. Über die langfristigen Pläne des Unternehmens schweigen sich die Co-CEOs jedoch weitgehend aus. Berichten zufolge könnte ein Portfolio entstehen, das bestehende Industriekonzerne übernimmt oder neue Wettbewerber im Markt aufbaut, was einen direkten Angriff auf die physische Wirtschaft darstellen würde. Dies könnte analog zur aktuellen Umwälzung der Wissensarbeit durch LLMs betrachtet werden.

    Prometheus ist nicht das einzige Unternehmen, das in diesem Bereich aktiv wird. Auch in Europa nimmt das Thema „Industrial AI“ Fahrt auf. So hat der französische KI-Champion Mistral AI kürzlich das Linzer Deep-Tech-Startup Emmi AI übernommen, was Brancheninsidern zufolge für über 200 Millionen Euro geschah. Emmi AI, das erst Ende 2024 gegründet wurde, entwickelt sogenannte Large Engineering Models. Diese physikbasierten KI-Modelle sollen Prozesse wie Luftströmungen, Thermodynamik oder Materialverformungen in Echtzeit simulieren und Entwicklungszyklen in Branchen wie Automobil, Energie und Luft- und Raumfahrt drastisch verkürzen.

    Die Übernahme von Emmi AI bedeutet, dass Linz nun offiziell als Mistral-Standort neben Paris, London und San Francisco fungiert. Johannes Brandstetter wird als Vice President den Bereich AI for Science verantworten. Die Parallelen zu Prometheus sind unverkennbar: Auf beiden Seiten des Atlantiks setzen KI-Unternehmen darauf, dass der nächste große Fortschritt nicht in Chatbots liegt, sondern in Modellen, die die physische Welt verstehen und deren Konstruktion schneller, kostengünstiger und präziser gestalten.

    In den USA verfolgt beispielsweise Periodic Labs, gegründet von Forschern führender KI-Firmen, einen ähnlichen Ansatz. Das Unternehmen möchte mit KI Entdeckungen in den Bereichen Physik und Chemie beschleunigen. Das Rennen um die „KI für die physische Wirtschaft“, wie Prometheus seine Mission beschreibt, hat damit endgültig begonnen.

  • Prometheus: Jeff Bezos‘ AI-Startup tritt aus dem Schatten mit einer Bewertung von 41 Milliarden Dollar

    Prometheus: Jeff Bezos‘ AI-Startup tritt aus dem Schatten mit einer Bewertung von 41 Milliarden Dollar

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Jeff Bezos hebt den Vorhang: Sein KIStartup Prometheus hat am Donnerstag offiziell den Schleier der Geheimhaltung gelüftet und beeindruckt mit Zahlen, die selbst in der aktuellen Welle von KI-Investitionen herausstechen. Das Unternehmen hat insgesamt 12 Milliarden Dollar an Kapital eingesammelt und wird mit 41 Milliarden Dollar bewertet. Damit gehört Prometheus zu den am höchsten bewerteten KI-Startups weltweit, bevor es überhaupt ein Produkt vorgestellt hat.

    Zusammen mit Bezos, der einen erheblichen Teil des Kapitals bereitstellt, stehen namhafte Investoren hinter dem Unternehmen: JPMorgan, BlackRock und Goldman Sachs sowie die Wagniskapitalgesellschaften DST Global und Arch Venture Partners. Bereits im November 2025 hatte das Startup initial 6,2 Milliarden Dollar an Finanzierungen gesichert.

    Für Bezos ist Prometheus mehr als nur ein weiteres Investitionsvehikel. Zum ersten Mal seit seinem Rücktritt als CEO von Amazon im Juli 2021 übernimmt der Tech-Milliardär wieder eine operative CEO-Rolle – gemeinsam mit dem Co-CEO Vik Bajaj, einem Professor an der Stanford University School of Medicine und Mitbegründer des Forschungsunternehmens Verily von Alphabet. Bezos äußerte kürzlich, dass ihn das Projekt so sehr begeistert, dass er erheblich Zeit und Energie investiert. KI dominiert mittlerweile sein gesamtes unternehmerisches Schaffen: ob bei Amazon, wo er als Executive Chairman bleibt, bei seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin oder bei Prometheus – das Thema steht überall im Mittelpunkt, so Bezos gegenüber CNBC.

    Mit diesem Schritt reiht sich der Amazon-Gründer in einen bemerkenswerten Trend ein: Die Gründungsgeneration von Big Tech kehrt persönlich in den Ring zurück. Google-Mitbegründer Sergey Brin hat sich wieder nach Mountain View begeben, wo er aktiv an den Gemini-Modellen arbeitet; Larry Page soll Berichten zufolge Dynatomics, ein KI-Startup für die Fertigungsindustrie, aufbauen; und Meta-CEO Mark Zuckerberg hat die KI-Entwicklung zu einer seiner höchsten persönlichen Prioritäten erklärt, einschließlich persönlicher Rekrutierungskampagnen für führende Forscher. Der KI-Wettlauf ist nicht länger nur ein Wettbewerb zwischen Unternehmen, sondern zwischen deren Gründern.

    Prometheus: Ein „Artificial General Engineer“ für die physische Wirtschaft

    Aber was genau verfolgt Prometheus? Das Unternehmen will für Ingenieurwesen und Fertigung das tun, was große Sprachmodelle für Texte getan haben. Bezos spricht von einem „artificial general engineer“ – einem KI-System, das es Ingenieuren erheblich erleichtern soll, physische Objekte zu entwerfen, von Wolkenkratzern über Smartphones bis hin zu Jettriebwerken. Anstatt Texte aus dem Internet zu extrahieren, trainiert Prometheus seine Modelle mit Daten aus der physischen Welt: festgelegte physikalische Gesetze, eigene Testdaten und Informationen aus Kooperationen mit Fertigungsunternehmen, deren Namen man nicht preisgibt.

    Die Rechnung von Bezos ist einfach: Wenn ein Projekt, das heute 100 Ingenieure zehn Jahre beschäftigt, in Zukunft von zehn Ingenieuren in einem einzigen Jahr bewältigt werden kann, werden viel mehr Dinge einfach gebaut. Er weist Bedenken hinsichtlich von Arbeitsplatzverlusten zurück – im Gegenteil, er prognostiziert einen Arbeitskräftemangel, da KI das Bauen neuer Dinge günstiger und einfacher machen wird. Für die Arbeiter ist KI wie ein „Bagger statt einer Schaufel“, sagt er.

    Prometheus hat ausdrücklich nichts mit Robotik zu tun, betont Bezos. Das Unternehmen beschäftigt rund 150 Mitarbeiter an Standorten in San Francisco, London und Zürich, betreibt ein eigenes großes GPU-Cluster und ist aktiv auf der Suche nach Talenten von OpenAI, Google DeepMind und Nvidia. Über den zweiten Teil ihrer Vision äußern sich die Co-CEOs bisher weitgehend still: Laut Berichten planen sie, ein Portfolio an Unternehmen im Stil von Berkshire Hathaway aufzubauen, das die KI-Modelle von Prometheus nutzt, um bestehende Industriegrößen zu akquirieren oder neue Wettbewerber von Grund auf zu schaffen – ein direkter Vorstoß in die physische Wirtschaft, vergleichbar mit der Art und Weise, wie LLMs derzeit die Wissensarbeit umwälzen.

    Industrielle KI: Mistral setzt ebenfalls auf diese Richtung

    Prometheus ist nicht allein auf diesem Weg. Auch in Europa hat die industrielle KI in letzter Zeit erheblich an Schwung gewonnen: Der französische KI-Champion Mistral AI hat gerade das in Linz ansässige Deep-Tech-Startup Emmi AI für weit über 200 Millionen Euro übernommen, berichten Brancheninsider. Das Unternehmen, das erst Ende 2024 von Johannes Brandstetter, Dennis Just und Miks Mikelsons gegründet wurde, entwickelt sogenannte Large Engineering Models: physikbasierte KI-Modelle, die Prozesse wie Luftströmung, Thermodynamik und Materialverformung in Echtzeit simulieren, mit dem Ziel, die Entwicklungszyklen in Branchen wie Automobil, Energie, Halbleiter und Luftfahrt drastisch zu verkürzen.

    Mit der Übernahme wird Linz zu einem offiziellen Mistral-Standort neben Paris, London und San Francisco; Brandstetter wird als Vizepräsident die Abteilung AI for Science leiten. Die Parallele zu Prometheus ist offensichtlich: Auf beiden Seiten des Atlantiks setzen KI-Unternehmen darauf, dass der nächste große Sprung nicht von Chatbots, sondern von Modellen kommen wird, die die physische Welt verstehen – und helfen, sie schneller, günstiger und präziser zu bauen.

    In den USA verfolgt Periodic Labs, gegründet von Forschern führender KI-Unternehmen, einen ähnlichen Ansatz und zielt darauf ab, KI zur Beschleunigung von Entdeckungen in Physik und Chemie einzusetzen. Der Wettlauf um die „KI für die physische Wirtschaft“, wie Prometheus selbst seine Mission beschreibt, hat offiziell begonnen.

  • Mova Z70 Ultra Roller Complete: Ein Neues Reinigungsroboter-Flaggschiff

    Mova Z70 Ultra Roller Complete: Ein Neues Reinigungsroboter-Flaggschiff

    LGR Reutlingen – 16 Juni 2026 | Das Unternehmen Mova hat ein neues Reinigungsroboter-Flaggschiff auf den Markt gebracht: das Z70 Ultra Roller Complete. Dieses Modell setzt wie auch schon die letzten Top-Modelle des Herstellers auf die sogenannte Rollenmopp-Technik, wischt also mit einer Walze statt rotierenden Scheiben, und kommt mit vollautomatisierten Wartungsfunktionen.

    Technisch baut der Z70 Ultra Roller Complete auf dem Mova Z60 auf, den wir im vergangenen Jahr ausführlich vorgestellt und ausprobiert haben. Laut Hersteller wurden insbesondere die Reinigungsleistung, die Hindernisberwindung und die automatisierte Wartung verbessert. Die Saugleistung des Roboters hat sich mit dem Versionssprung von zuvor 28.800 Pa auf maximal 36.000 Pa erhöht.

    Z70 Ultra Roller Complete Neues Modell startet mit Einführungspreis

    Die Mova-Modelle zählen in dieser Kategorie zu den leistungsstärkeren Saugrobotern am Markt. Wir wollen hier allerdings anmerken, dass Saugroboter auch schon mit deutlich geringeren Maximalwerten hervorragende Ergebnisse liefern können. Von einem Technologiesprung kann man allerdings durchaus mit Blick auf die Nasswalzensysteme reden, die in immer mehr modernen Reinigungsrobotern zu finden sind.

    Mova hat hier inzwischen über mehrere Produktgenerationen hinweg Erfahrungen gesammelt. Die Moppwalze wird während der Nassreinigung kontinuierlich mit Frischwasser versorgt und befeuchtet. Zugleich wird dabei der aufgenommene Schmutz abgestreift, was verhindert, dass dieser lediglich auf eine größere Fläche verteilt wird.

    Bessere Hindernisberwindung

    Bei dem neuen Modell wurde laut Hersteller zudem der Anpressdruck der Walze erhöht, um auch eingetrocknete Verschmutzungen besser entfernen zu können. Auch bei der Überwindung von Türschwellen und ähnlichen Hindernissen verspricht Mova Verbesserungen. Der Roboter soll Höhenunterschiede von bis zu neun Zentimetern überwinden können.

    Für die Kantenreinigung kommt eine ausfahrbare Seitenbürste zum Einsatz, die entlang von Wänden und Fußleisten arbeitet. Um auch Bereiche unter Möbeln zu erreichen, kann der auf dem Gehäuse platzierte Laserturm eingefahren werden. Durch die verringerte Bauhöhe kann der Roboter auch unter Möbelstücken mit einer Bodenfreiheit von mindestens zehn Zentimetern fahren.

    Der Mova Z70 ist optional auch in einer Variante für Festwasseranschluss erhältlich. Die Standardversion mit Absaugstation sowie Frisch- und Schmutzwassertanks soll regulär 1.399 Euro kosten und wird im Rahmen einer Einführungsaktion unter anderem bei Amazon für 1.199 Euro angeboten.

  • SpaceX bricht Rekorde mit 75 Milliarden Dollar Mega-IPO

    SpaceX bricht Rekorde mit 75 Milliarden Dollar Mega-IPO

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | In einem historischen Moment hat SpaceX, das Raketen-, Satelliten- und KI-Unternehmen von Elon Musk, beim Börsengang 75 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Dies markiert den größten Börsengang in der Geschichte und übertrifft sämtliche bisherigen Rekorde. Die Nachfrage war immens, mit einer Überzeichnung des Angebots um das Vierfache. Insgesamt wurden 555,6 Millionen Aktien zu einem Preis von 135 Dollar pro Stück platziert, wie aus einer Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

    Die Bewertung von rund 1,77 Billionen Dollar katapultiert SpaceX auf den siebten Platz der wertvollsten Unternehmen der Welt, direkt hinter dem Chip-Auftragsfertiger TSMC und vor dem Halbleiter-Riesen Broadcom. Schwergewichte wie JPMorgan und Eli Lilly wurden damit hinter sich gelassen, ebenso wie Musks eigener Elektroautobauer Tesla. Um die Dimension dieses Rekords zu verdeutlichen: Der saudische Ölkonzern Aramco hatte bei seinem Börsengang 2019 lediglich 25,6 Milliarden Dollar eingesammelt – SpaceX hat diesen Betrag nun nahezu verdreifacht.

    Sollten die begleitenden Investmentbanken in den kommenden 30 Tagen die sogenannte Greenshoe-Option ziehen und zusätzliche Aktien verkaufen, könnte das Emissionsvolumen sogar auf 86 Milliarden Dollar und die Bewertung auf bis zu 1,78 Billionen Dollar steigen. Elon Musk könnte mit diesem Schritt dem Ziel näher kommen, der erste Billionär der Welt zu werden.

    Trotz des Börsengangs behält Musk die Kontrolle über das Unternehmen, da er auch nach dem IPO 82 Prozent der Anteile hält. Auffällig ist zudem die Aufteilung der Aktien: 30 Prozent wurden für Privatanleger reserviert, ein für diese Größenordnung ungewöhnlich hoher Anteil.

    SpaceX holt 75 Mrd Dollar in Mega-IPO – 20 Milliarden dienen Kreditrückzahlung

    Ein erheblicher Teil der neu generierten Mittel ist jedoch bereits verplant. So müssen 20 Milliarden Dollar für die Rückzahlung eines Überbrückungskredits verwendet werden, den SpaceX im März aufgenommen hatte. Diese Finanzierungsrunde wurde notwendig, nachdem Musk seine hoch verschuldeten Unternehmen im Bereich KI und soziale Medien, einschließlich xAI und der Plattform X, in den Konzern integriert hatte. Der Rekord-IPO dient somit auch der Bereinigung dieser Altlasten.

    Der verbleibende Teil des Kapitals soll in eine neue Wachstumsphase fließen. Musk betonte kürzlich bei einem Roadshow-Event, dass das Unternehmen Kapital benötige, um in diese massive Wachstumsphase zu starten. Der Börsengang ist im Grunde eine große Wette auf KI-Infrastruktur und Unternehmensanwendungen. SpaceX plant, die Mittel in Projekte von KI-Rechenzentren bis hin zu neuen Satellitenkonstellationen zu investieren.

    Musk kündigte an, dass „KI-Rechenzentren im Weltraum“ das nächste große, kapitalintensive Vorhaben sein werden, um die Energieprobleme auf der Erde zu umgehen. Diese Woche stellte er bereits die Entwürfe eines ersten KI-Satelliten mit einer Spannweite von 70 Metern vor. Diese orbitalen Rechenzentren stehen im Zentrum seiner Vision eines adressierbaren Marktes von angeblich 28,5 Billionen Dollar und sind entscheidend für die Rechtfertigung der hohen Bewertung von SpaceX.

    SpaceX verzeichnet zurzeit Verluste und wird mit dem 92-Fachen seines Jahresumsatzes von 19 Milliarden Dollar bewertet, was das höchste Multiple unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt darstellt. Analysten äußern Bedenken hinsichtlich dieser Bewertung, da der Umsatz im Vergleich zu anderen Tech-Giganten deutlich hinterherhinkt und ein Großteil der Bewertung auf zukünftigen Versprechungen beruht, die erst noch eingelöst werden müssen.

    Die Analysten von Goldman Sachs, dem Lead-Underwriter, prognostizieren jedoch eine Verhundertfachung der KI-Umsätze auf 322 Milliarden Dollar bis 2030, getrieben von Unternehmensanwendungen rund um die KI-Modelle des Unternehmens.

    Operativ steht SpaceX auf einem soliden Fundament. Das 2002 gegründete Unternehmen dominiert den Markt für Raketenstarts und hat nach eigenen Angaben in den letzten drei Jahren mehr als 80 Prozent der weltweiten Nutzlast in die Erdumlaufbahn befördert. Der Großteil der Einnahmen stammt jedoch aktuell von seinem Satelliten-Internetdienst Starlink. Die großen Zukunftshoffnungen von SpaceX und damit ein erheblicher Teil der Bewertung beruhen auf dem KI-Geschäft rund um xAI.

    Die Wachstumsstory birgt jedoch auch Risiken. Zu den größten Herausforderungen zählt die Konkurrenz, insbesondere durch Blue Origin, das Unternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos, welches ebenfalls die Kommerzialisierung des Weltraums vorantreibt und sich lukrative staatliche Aufträge sichern will.

    Die Aktie von SpaceX erhält auch Rückenwind von den Indexanbietern. Die Nasdaq hat „Fast Entry“-Regeln eingeführt, die es SpaceX ermöglichen, schon nach 15 Handelstagen in den Nasdaq 100 aufgenommen zu werden. FTSE Russell hat die Frist sogar auf fünf Handelstage verkürzt, was bedeutet, dass SpaceX nahezu sofort in den Russell 1000 und Russell 3000 aufgenommen wird. Für Indexfonds und ETFs bedeutet dies, dass sie die Aktie kaufen müssen, unabhängig von der Bewertung.

    Allerdings bleibt der Zugang zum S&P 500 zunächst verwehrt, da S&P Dow Jones Indices eine beschleunigte Aufnahme von SpaceX ablehnt. Der Konzern erfüllt die Kriterien des weltweit wichtigsten Aktienindex nicht, da dieser unter anderem Profitabilität verlangt, die SpaceX bislang nicht nachweisen kann.

    Der Börsengang von SpaceX erfolgt in einer turbulenten Woche an den US-Märkten, die von einer historischen Flut an Aktienverkäufen geprägt ist. Alphabet kündigte kürzlich eine Kapitalaufnahme von mehr als 85 Milliarden Dollar an, während die führenden KI-Labore Anthropic und OpenAI ebenfalls auf eigene Börsengänge zusteuern.

  • Xpeng: Keine Gespräche über VW-Werk, aber klare Europa-Ambitionen

    Xpeng: Keine Gespräche über VW-Werk, aber klare Europa-Ambitionen

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Der chinesische Automobilhersteller Xpeng plant, seine Aktivitäten in Europa erheblich auszubauen. Vizepräsident Brian Gu gab in London bekannt, dass die Verkaufszahlen von rund 23.000 Neuwagen im letzten Jahr in diesem Jahr mindestens verdoppelt werden sollen. Die Expansion soll durch neue Modelle und die Erschließung weiterer Märkte unterstützt werden.

    Aktuell fertigt Xpeng seine Fahrzeuge für den europäischen Markt in einer Partnerschaft mit dem österreichischen Auftragshersteller Magna in Graz. Gu bezeichnete die Zusammenarbeit als „sehr gut“ und ließ durchblicken, dass eine Ausweitung der Kooperation in Betracht gezogen wird. Gleichzeitig untersucht das Unternehmen weitere Standorte in Europa, sowohl für den Bau neuer Werke als auch für mögliche Übernahmen bestehender Produktionsstätten. Konkrete Pläne wurden jedoch nicht genannt.

    Besonders im Fokus der Berichterstattung stand Gu’s Reaktion auf einen Artikel der „Financial Times“, der besagte, dass Xpeng in Verhandlungen über den Erwerb eines Volkswagen-Werks in Europa stehe. Gu distanzierte sich klar von dieser Aussage und erklärte, er wisse nicht, woher diese Information stamme. Auch VW-Chef Oliver Blume wies derartige Gespräche mit chinesischen Herstellern zurück.

    Xpeng Kein VW-Werk im Blick aber mehr Europa-Ambitionen

    Die Kooperation zwischen Volkswagen und Xpeng besteht bereits, da Volkswagen fünf Prozent an Xpeng hält und in China eine Plattform des Unternehmens für neue Modelle nutzt. Gu erwähnte, dass es zuletzt Austauschgespräche mit Blume und VW-China-Chef Ralf Brandstätter gab. Xpeng sei bereit, die Zusammenarbeit über China hinaus auszubauen und wolle seine Technologie in größerem Maßstab einsetzen. Bei der Suche nach Produktionskapazitäten will sich Xpeng jedoch nicht auf einen einzigen Partner festlegen, sondern alle Optionen prüfen. „Wenn jemand etwas zu zeigen oder zu verkaufen hat, kommt er auf uns zu“, so Gu.

    Xpeng selbst sieht sich weniger als klassischer Automobilhersteller, sondern mehr als Technologieunternehmen. Neben Elektroautos arbeitet das 2014 gegründete Unternehmen auch an humanoiden Robotern und Flugtaxis. In Europa möchte Xpeng sich von anderen Anbietern abheben, indem man nicht nur auf Volumenwachstum setzt, sondern eine Premiummarke etablieren will.

    Die Ambitionen von Xpeng sind Teil eines größeren Trends, den chinesische Automobilhersteller in Europa verfolgen. So haben Nissan und Chery vereinbart, ab 2024 gemeinsam im britischen Werk Sunderland Modelle für den lokalen Markt zu produzieren. BYD hingegen hat mit dem Bau seiner ersten europäischen Fabrik in Ungarn begonnen, kämpft dort jedoch mit Verzögerungen. Die Produktionsaufnahme, die ursprünglich für Ende 2025 geplant war, wird nun erst Ende 2026 erwartet, während die Pläne für ein weiteres Werk in der Türkei vorerst auf Eis gelegt wurden.

    Die Frage, ob Magna Xpengs Produktionsbedarf auf Dauer allein decken kann, hängt von der Geschwindigkeit des Wachstums ab. Gu ließ offen, wann und wo eine Entscheidung über zusätzliche Produktionskapazitäten fallen könnte, betonte jedoch, dass man den Markt aktiv beobachte. „Wenn es zu teuer ist oder der Standort schlecht liegt, sortieren wir das sofort aus“, so Gu.

  • Google misst Puls per Smartphone mit Frontkamera

    Google misst Puls per Smartphone mit Frontkamera

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | In einer bahnbrechenden Entwicklung hat Google Research eine Methode vorgestellt, die es ermöglicht, den Puls per Smartphone zu messen. Dabei kommt die Frontkamera des Geräts zum Einsatz, was die Notwendigkeit für zusätzliche Geräte wie Smartwatches oder Fitness-Tracker überflüssig macht. Laut einer Studie, die im renommierten Fachjournal Nature veröffentlicht wurde, liefert diese Technologie Ergebnisse, die mit den Messungen gängiger Wearables vergleichbar sind.

    Die Popularität von Wearables, darunter Smartwatches und Fitness-Tracker, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Millionen von Menschen nutzen diese Geräte nicht nur zur Aufzeichnung ihrer täglichen Aktivitäten, sondern auch zur Überwachung gesundheitlicher Parameter wie Herzfrequenz und Schlafqualität. Schätzungen zufolge wird der Wearables-Markt in diesem Jahr die Marke von 600 Millionen verkauften Einheiten überschreiten, mit einer Prognose von bis zu 656 Millionen Einheiten bis 2029.

    Ein zentraler Faktor für den Erfolg dieser Geräte sind ihre Gesundheitsfunktionen. Die Erfassung von Herzfrequenz (HF) und Ruheherzfrequenz (RHF) ist besonders wichtig, da sie wertvolle Hinweise auf die körperliche Fitness und das allgemeine Wohlbefinden geben können. Die neue Technologie von Google zielt darauf ab, diese Erfassung zu vereinfachen und einer breiteren Bevölkerung zugänglich zu machen, insbesondere in ressourcenarmen Regionen oder für Menschen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Puls per Smartphone messen: So funktioniert die neue Methode

    Die Forscher von Google haben in ihrer Arbeit mit dem Titel Passive Heart Rate Monitoring During Smartphone Use in Everyday Life (PHRM) eine innovative Technologie entwickelt, die es ermöglicht, die Herzfrequenz im Hintergrund während der alltäglichen Nutzung des Smartphones zu überwachen. Die Frontkamera wird aktiviert, sobald das Gerät per Gesichtserkennung entsperrt wird, und zeichnet für etwa acht Sekunden Videoaufnahmen des Gesichts des Nutzers auf.

    Die Herzfrequenz wird dann mithilfe einer KI geschätzt, die auf Deep Learning-Algorithmen basiert. Diese Algorithmen analysieren die Lichtschwankungen, die im Video auftreten, wenn das Blut durch die Haut pulsiert. Auf diese Weise kann die Technologie eine tägliche Ruheherzfrequenz ableiten, basierend auf den über den Tag gesammelten HF-Messungen.

    Hohe Genauigkeit und breite Anwendungsmöglichkeiten

    Die Genauigkeit der PHRM-Technologie ist beeindruckend: Die Forscher berichten von Abweichungen von weniger als fünf Schlägen pro Minute im Vergleich zu traditionellen Wearable-Trackern. Um diese Präzision zu erreichen, haben die Wissenschaftler mehr als 350.000 Videoclips von nahezu 700 Teilnehmern mit unterschiedlichen Hauttypen analysiert. Diese Clips wurden sowohl in kontrollierten Laborbedingungen als auch im Alltag aufgenommen, um eine breite Anwendbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen.

    Smartphones sind mittlerweile eines der am weitesten verbreiteten technischen Geräte weltweit. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2024 etwa 4,3 Milliarden Menschen ein Smartphone nutzen, und bis 2030 könnte diese Zahl auf rund 6,2 Milliarden steigen. Die weitreichende Verbreitung dieser Geräte macht sie zu einem idealen Werkzeug für die Gesundheitsüberwachung und ermöglicht eine kontinuierliche Datenerfassung.

    Die neuen Möglichkeiten zur Pulsüberwachung durch Smartphones könnten insbesondere für Menschen in Entwicklungsländern von Bedeutung sein, wo der Zugang zu medizinischer Versorgung oft eingeschränkt ist. Die Forscher von Google haben als Zielgruppe vor allem jene Personen im Blick, die in ressourcenarmen Umgebungen leben oder ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.

    Diese Entwicklung zeigt nicht nur das Potenzial von Smartphones im Gesundheitsbereich, sondern auch, wie moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie wir unsere Gesundheit überwachen, revolutionieren können. Die Anwendung der PHRM-Technologie könnte dazu beitragen, Gesundheitsdaten für eine breitere Bevölkerung zugänglich zu machen und somit präventive Maßnahmen zu fördern.

    In einer Zeit, in der Gesundheitsdaten zunehmend in den Fokus rücken, stellt Googles Innovation einen wichtigen Schritt in Richtung einer umfassenden und benutzerfreundlichen Gesundheitsüberwachung dar. Mit der Pulsüberwachung per Smartphone-Kamera könnte eine neue Ära der Gesundheitsdatenanalyse eingeläutet werden, die nicht nur für den Einzelnen von Vorteil ist, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt.

  • Wie BYD auch Europas E-Automarkt anführen will

    Wie BYD auch Europas E-Automarkt anführen will

    LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Die Expansion chinesischer Automobilhersteller in Europa hat in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen, doch dieser Schritt ist alles andere als einfach. Strafzölle, regulatorische Anforderungen und ein Käuferverhalten, das sich stark vom chinesischen Markt unterscheidet, stellen erhebliche Hürden dar. Um in Europa langfristig erfolgreich zu sein, sind mehr als nur wettbewerbsfähige Preise erforderlich. Der weltweit größte Hersteller von Elektroautos und Plug-in-Hybriden, BYD, verfolgt eine Strategie, die auf umfangreiche Investitionen in Forschung, Entwicklung und lokale Anpassung setzt.

    Alfredo Altavilla, Senior Advisor für BYD Europe und ehemaliger Führungskraft im Fiat-Chrysler-Konzern, ist maßgeblich für die strategische Ausrichtung der Marke in Europa verantwortlich. In einem Interview skizziert er die aktuelle Position von BYD, die treibenden Kräfte hinter der Marke und die weitreichenden Ambitionen, die sie hegen.

    Altavillas erster Rat an BYD nach seinem Einstieg war eindeutig: Die Entwicklung einer eigenen Modellpalette für den europäischen Markt. Europäische Käufer:innen verhalten sich im Vergleich zu chinesischen Konsumenten anders – sie fahren schneller, legen mehr Wert auf Fahrdynamik und haben andere Erwartungen an die Größe von Fahrzeugen und das Kofferraumvolumen. „Chinesische Autos sind meist über 4,70 Meter lang, der Platz in der zweiten Reihe ist entscheidend, während das Kofferraumvolumen kaum berücksichtigt wird“, erläutert er. In China gelten auf Autobahnen Tempolimits von 90 km/h, „bei 90 km/h ist jedes Auto gut“. In Europa sind die Maßstäbe jedoch andere.

    Die Konsequenz dieser Erkenntnisse war, dass BYD in den letzten zwei Jahren das Fahrwerk der meisten Modelle für den europäischen Markt überarbeitet hat, unter anderem mit Mehrlenkerachsen an der Hinterachse des Seal DM-i. Mit dem Dolphin G brachte das Unternehmen kürzlich ein Modell auf den Markt, das speziell für Europa entwickelt wurde und in China nicht erhältlich ist.

    Technologiekultur als strategischer Kern von BYD

    Ein entscheidender Unterschied zu europäischen Automobilherstellern ist laut Altavilla die Geschwindigkeit der Entwicklung. BYD investiert jährlich etwa acht Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung und beschäftigt weltweit rund 120.000 Ingenieur:innen. Diese Zahl allein spiegelt jedoch nicht die dahinterstehende Arbeitsweise wider: „Hier dauert ein Upgrade eines bestehenden Modells 60 Tage; in Europa hingegen oft viele Monate“, erklärt Altavilla.

    Er beschreibt einen Prozess, bei dem er während Inspektionsreisen nach China Fahrzeuge testet, eine Liste mit Änderungswünschen hinterlässt und diese nach seiner Rückkehr als umgesetzt vorfindet. Den Geist dieser Arbeitsweise auf die europäische Organisation zu übertragen, sieht er als eine der zentralen Aufgaben. Ohne diesen Transfer könnte ein „Frankenstein-Konstrukt“ entstehen, das den ursprünglichen chinesischen Fahrzeugen nicht gerecht wird.

    Gleichzeitig ist eine vollständige vertikale Integration in Europa weder realistisch noch wirtschaftlich sinnvoll. „In Europa haben wir nicht die Skaleneffekte, die BYD in China erzielt“, so Altavilla. Die Lösung besteht in einer globalen Lieferkette mit dezentralen Produktionsstätten in Europa. Neben den bereits in Planung befindlichen Werken in Ungarn und der Türkei prüft BYD auch den Standort eines dritten europäischen Werks. Produktionspartnerschaften mit europäischen Automobilherstellern sind hingegen kein Thema; die Technologie und die Fertigungsprozesse von BYD sind zu spezifisch.

    Ein zusätzliches Risiko stellt die Regulierung dar: Sollte eine Mindestquote von 70 Prozent lokaler Wertschöpfung in der EU in Kraft treten, wäre der Bau eigenständiger chinesischer Werke in Europa de facto nicht mehr möglich. Altavilla erklärt dies als Grund, warum viele chinesische Marken derzeit die Nutzung brachliegender Kapazitäten europäischer Hersteller sondieren.

    Von drei bis vier Prozent Marktanteil zur europäischen Spitze

    Bei der Frage nach der Wettbewerbssituation in Europa nennt Altavilla nicht MG als Vergleich, obwohl dieser Rivale unter den chinesischen Marken momentan führend ist. BYD verkauft ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride, ohne Mildhybride oder konventionelle Verbrenner anzubieten. Dass die Marke in Ländern wie Italien und Großbritannien in nur zwei bis vier Jahren Marktanteile von drei bis vier Prozent erreicht hat, interpretiert er als Beleg für die Schlagkraft dieser klaren Positionierung. Das langfristige Ziel lässt er offen, formuliert es jedoch unmissverständlich: „Wir werden nicht ruhen, bis wir bei den Autoverkäufen in Europa ganz oben stehen.“

    Den Weg dorthin sieht Altavilla auch über den Ausbau des Vertriebsnetzes: Bis Ende 2026 soll die Zahl der Händler in Europa auf 2000 steigen. Gleichzeitig werden europäische Ersatzteillager eingerichtet, um die Lieferzeiten auf das Niveau der europäischen Wettbewerber zu bringen.

    Die größte Herausforderung sieht er in der Markenbekanntheit. Das Engagement bei der UEFA sei zwar wirkungsvoll, reiche jedoch nicht aus. Entscheidend sei, dass Händler:innen vor Ort regelmäßig eigene Veranstaltungen organisieren, um in ihren jeweiligen Regionen sichtbar zu werden.

    Zuletzt spricht Altavilla über einen möglichen Einstieg von BYD in den Motorsport. Eine Beteiligung an der Formel 1 ist im Gespräch, aber noch nicht beschlossen. BYD-Europachefin Stella Li hat klargestellt, dass ein Engagement nur in Betracht gezogen wird, wenn die eigene Technologie einen messbaren Nutzen bringt. Es geht also nicht um einen reinen Marketingauftritt, sondern um ein eigenständiges Team mit eigener Technik.

    Ob Formel 1, FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft oder kein Motorsport-Einstieg: Die Entscheidung hängt von der technologischen Entwicklung und den bis 2030 erwarteten Regeländerungen ab. BYD lässt sich bei diesen Überlegungen alle Optionen offen.