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  • EU-Parlament setzt auf Qwant: Wechsel von Google als Standard‑Suchmaschine

    EU-Parlament setzt auf Qwant: Wechsel von Google als Standard‑Suchmaschine

    LGR Reutlingen – 04 Juni 2026 | EU-Parlament tauscht Google gegen Qwant als Standard-Suchmaschine – ein sichtbares Zeichen für mehr digitale Souveränität und strengeren Datenschutz im Herzen Europas. Ab Donnerstag wird die in den Arbeitscomputern vorinstallierte Suchmaschine von Google auf die französische Alternative Qwant umgestellt. Der Schritt folgt einer langen Debatte über die Abhängigkeit von US‑Technologiekonzernen und knüpft an frühere Forderungen, Microsoft 365 aus dem Parlament zu verbannen.

    Der Wechsel erfolgt nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis mehrmonatiger Beratungen zwischen den Fraktionen, dem IT‑Dienstleister des Parlaments und Vertreter*innen von Qwant. Laut einem internen Memo wird Qwant künftig automatisch aufgerufen, wenn Abgeordnete Suchbegriffe in die Adresszeile von Firefox oder Edge eingeben. Wer die gewohnte Google‑Suche bevorzugt, kann die Einstellung jederzeit selbst überschreiben – das Prinzip bleibt also freiwillig, aber die Standardwahl hat symbolischen Charakter.

    EU-Parlament tauscht Google gegen Qwant als Standard-Suchmaschine – warum das wichtig ist

    Die Entscheidung ist Teil einer breiteren Initiative, die europäische digitale Unabhängigkeit zu stärken. Im Herbst des Vorjahres hatten einflussreiche Abgeordnete verschiedener Fraktionen das Parlament aufgefordert, sich von Microsoft 365 zu verabschieden und generell weniger auf amerikanische Software zu setzen. In diesem Kontext wurde Qwant bereits als mögliche europäische Alternative zu Google genannt. Ein Initiator der Maßnahme betonte, es gehe nicht um eine anti‑amerikanische Haltung, sondern um eine „pro‑europäische Souveränitätsmaßnahme“, die den Schutz personenbezogener Daten in den Vordergrund stelle.

    Qwant, 2013 gegründet und seit 2014 mit einer deutschen Version verfügbar, positioniert sich als datenschutzfreundliche Suchmaschine, die keine Nutzerprofile erstellt und keine personalisierte Werbung schaltet. Die französische Firma hat 2025 ein Joint‑Venture mit dem Berliner Startup Ecosia gegründet – das European Search Perspective (EUSP). Ziel ist der Aufbau einer eigenen Suchmaschineninfrastruktur in Europa, die unabhängig von den Algorithmen großer US‑Konstrukte funktioniert.

    Die EUSP‑Initiative hat im Frühjahr 2025 europäische Regierungen dazu aufgerufen, nationale Suchindizes als öffentliche digitale Infrastruktur zu etablieren. Damit soll ein Netzwerk entstehen, das den europäischen Markt mit einem eigenständigen Suchindex versorgt und langfristig die Abhängigkeit von Google, Bing und Co. reduziert. Durch die Nutzung von Qwant im EU‑Parlament erhält das Projekt einen hochkarätigen Referenzkunden, der die Machbarkeit und den Nutzen einer europäischen Suchtechnologie demonstriert.

    Technische Hintergründe und Datenschutz

    Im Gegensatz zu Google speichert Qwant keine IP‑Adressen, nutzt keine Cookies für Tracking und verarbeitet Suchanfragen ausschließlich innerhalb der EU‑Grenzen. Die Suchergebnisse werden durch eine Kombination aus eigenen Indexen und Open‑Source‑Crawlern generiert, die nach europäischen Datenschutzstandards zertifiziert sind. Für das Parlament bedeutet das, dass sämtliche Suchanfragen, die über die internen Rechner laufen, nicht an Drittländer übermittelt werden – ein entscheidender Vorteil im Hinblick auf die DSGVO‑Konformität.

    Die IT‑Abteilung des Parlaments hat zusammen mit Qwant eine Reihe von Sicherheitsprüfungen durchgeführt. Dabei wurden unter anderem Pen‑Tests und Code‑Audits durchgeführt, um sicherzustellen, dass keine Hintertüren für mögliche Angriffe bestehen. Die Ergebnisse wurden im internen Bericht als „vollständig kompatibel mit den höchsten Sicherheitsstandards der EU“ bewertet.

    Politische und wirtschaftliche Implikationen

    Der Wechsel könnte ein Präzedenzfall für andere öffentliche Institutionen in Europa werden. Bereits jetzt haben mehrere Ministerien in Frankreich und Deutschland Interesse bekundet, Qwant als Standard‑Suchmaschine zu prüfen. Für die europäische Tech‑Industrie könnte dies einen Impuls geben, vermehrt in eigene Infrastrukturen zu investieren und sich von der Dominanz US‑amerikanischer Anbieter zu lösen.

    Auf Wirtschaftsebene bedeutet das nicht nur eine potenzielle Marktverschiebung, sondern auch neue Chancen für Start‑ups, die im Umfeld von EUSP und ähnlichen Projekten aktiv werden. Investoren beobachten bereits die Entwicklung, da ein funktionierendes, europaweites Suchökosystem erhebliche Werbe‑ und Daten‑Monetarisierungsmöglichkeiten eröffnet – diesmal jedoch unter strengeren Datenschutz‑Regeln.

    Gleichzeitig bleibt die Frage, ob die Nutzer‑Akzeptanz ausreicht, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Während das EU‑Parlament die Möglichkeit hat, die Nutzung zu erzwingen, müssen kommerzielle Anwender von Qwant überzeugen, dass die Suchqualität und Geschwindigkeit mit denen von Google vergleichbar sind. Erste Tests im Parlament zeigen jedoch, dass die Antwortzeiten im Durchschnitt um 0,3 Sekunden schneller sind als bei Google, da die Anfragen nicht über transatlantische Server geleitet werden.

    Ausblick: Mehr digitale Souveränität?

    Der Schritt des EU‑Parlaments ist ein Teil einer größeren Strategie, die von der Europäischen Kommission vorangetrieben wird. In ihrem Digital‑Strategy‑Plan für 2024‑2029 werden mehrere Maßnahmen genannt, darunter die Förderung von Open‑Source‑Software, die Schaffung eines europäischen Cloud‑Marktplatzes und die Unterstützung von Projekten wie EUSP.

    Ob der Wechsel zu Qwant letztlich zu einer breiteren Ablösung von US‑Technologie führen wird, bleibt abzuwarten. Experten betonen, dass technische Leistungsfähigkeit, Nutzergewohnheiten und wirtschaftliche Interessen gleichermaßen eine Rolle spielen. Dennoch sendet das EU‑Parlament ein deutliches Signal: Europäische Werte wie Datenschutz und digitale Unabhängigkeit dürfen nicht länger als bloße Lippenbekenntnisse gelten, sondern sollen in der täglichen Arbeit konkreter Institutionen verankert werden.

    Für die Abgeordneten bedeutet das, künftig ihre Recherche‑ und Informationsarbeit mit einer Suchmaschine zu erledigen, die nicht auf personalisierte Werbung setzt und deren Algorithmen transparent sind. Für die europäischen Bürger*innen könnte dies langfristig ein Vorbild sein, das Vertrauen in digitale Dienste stärkt und den Diskurs über die Rolle globaler Tech‑Giganten in der EU neu eröffnet.

  • Bing verbessert seine Bildersuche durch KI-gestützte Kategorisierung und Zusammenfassungen

    Bing verbessert seine Bildersuche durch KI-gestützte Kategorisierung und Zusammenfassungen

    LGR Reutlingen – 28 Mai 2026 | In einer Zeit, in der sich die Internetsuche rasant wandelt, hat Bing, die Suchmaschine von Microsoft, eine bedeutende Neuerung vorgestellt: Die neue KIBildersuche mit Kategorien und Zusammenfassungen. Diese Funktion zielt darauf ab, die Benutzererfahrung zu optimieren und den Nutzern eine strukturierte und kontextreiche Sucherfahrung zu bieten, die in der heutigen, von Bildern dominierten Online-Welt immer wichtiger wird.

    Die Bildersuche hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, und die Konkurrenz zwischen Bing und Google ist intensiver denn je. Während Google die führende Suchmaschine mit einem Marktanteil von über 90 Prozent bleibt, hat Bing in Deutschland mit etwa 9,7 Prozent einen soliden Platz als zweitwichtigste Suchmaschine eingenommen. Angesichts dieser Dynamik ist die Einführung der neuen KI-gestützten Bildersuche ein entscheidender Schritt für Bing, um seine Position zu festigen und zu verbessern.

    Die neue Funktion wird durch einen Schieberegler mit dem Hinweis „New Version“ in der Bildersuche aktiviert, ist jedoch vorerst nur in den USA verfügbar. Die Benutzer können bei der Suche nach Bildern von einer Vielzahl ähnlicher Ergebnisse oft überwältigt werden. Die KI-gestützte Bildersuche von Bing zielt darauf ab, dieses Gefühl der Überwältigung zu reduzieren, indem sie die Ergebnisse in sinnvollere Kategorien unterteilt und zusätzliche Informationen bereitstellt.

    Ein Beispiel verdeutlicht die Funktionsweise der neuen Bildersuche: Wenn Nutzer nach den höchsten Bergen in Washington suchen, präsentiert die klassische Bildersuche eine Vielzahl von Bildern mit knappen Bildunterschriften. In der neuen Version hingegen werden die Bilder in Kategorien organisiert, wobei jede Kategorie einen spezifischen Berg darstellt. Neben den Kategorien erscheinen KI-generierte Zusammenfassungen, die den Nutzern mehr Kontext bieten und sie auf die zugrunde liegenden Quellen verweisen.

    Bing erklärt, dass diese neue Suchoption darauf ausgelegt ist, die Benutzer bei der Entscheidung zu unterstützen, indem sie die Navigation von der Inspiration zur konkreten Auswahl erleichtert. Dies ist besonders hilfreich in verschiedenen Suchszenarien, sei es bei der Recherche zu Künstlern und ihren Werken, der Planung von Reisen oder auch beim Einkaufen.

    Der technische Fortschritt, den Bing in seine Bildersuche integriert hat, könnte weitreichende Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie Nutzer Informationen und Inspirationen im Internet suchen. Die Kategorisierung der Bilder und die Bereitstellung von Zusammenfassungen könnten nicht nur die Benutzererfahrung verbessern, sondern auch die Effizienz der Suchanfragen erheblich steigern.

    Mit der neuen KI-Bildersuche positioniert sich Bing als ernstzunehmender Mitbewerber im Bereich der Bildersuche und zeigt, dass auch kleinere Suchmaschinen innovative Lösungen bieten können, um den ständig wachsenden Anforderungen der Nutzer gerecht zu werden. Die Markteinführung in den USA könnte als Testlauf für eine zukünftige weltweite Einführung dienen, die Bing auch in anderen Regionen anstrebt.