Tag: Export

  • Stellenabbau in der Industrie trotz leichtem Umsatzplus: Eine kritische Analyse

    Stellenabbau in der Industrie trotz leichtem Umsatzplus: Eine kritische Analyse

    LGR Reutlingen – 28 Mai 2026 | Der Stellenabbau in der Industrie hält unvermindert an, trotz eines leichten Umsatzplus im ersten Quartal dieses Jahres. Laut dem aktuellen EY-Industriebarometer ist die Zahl der Beschäftigten in deutschen Industrieunternehmen im Vergleich zum Vorjahr um 127.300 gesunken, was einem Rückgang von 2,3 Prozent entspricht. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 wurden somit insgesamt 341.500 Industriejobs verloren, was einem Rückgang von über sechs Prozent entspricht.

    Besonders stark betroffen ist die Automobilindustrie, in der seit 2019 jeder siebte Arbeitsplatz verloren gegangen ist. Allein im vergangenen Jahr sank die Beschäftigung um 32.000, seit 2019 um etwa 125.800 Arbeitsplätze. Dies entspricht einem Rückgang von vier Prozent im letzten Jahr und 15 Prozent seit 2019. Noch dramatischer ist die Situation in der Textilindustrie, die seit 2019 rund 22 Prozent ihrer Arbeitsplätze verloren hat, während die Metallindustrie einen Rückgang von 15 Prozent verzeichnete.

    Gegen den allgemeinen Negativtrend konnten lediglich die Chemie- und Pharmaindustrie sowie die Elektroindustrie Stellen aufbauen. In der Chemie- und Pharmaindustrie stieg die Beschäftigung seit 2019 um drei Prozent, in der Elektroindustrie um zwei Prozent. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf, ob das leichte Umsatzplus, das im ersten Quartal 2023 um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg, tatsächlich eine Trendwende darstellen könnte.

    Der Anstieg des Umsatzes wird vor allem durch die Metallbranche getragen, die ein bemerkenswertes Wachstum von 18 Prozent verzeichnete, angetrieben von einem Exportsprung von 28 Prozent. Während die Automobilindustrie ein geringfügiges Plus von 2,1 Prozent erzielte, musste die Papier- und Textilindustrie mit Umsatzrückgängen von sechs bzw. acht Prozent kämpfen. Dennoch bleibt die Frage offen, ob dieses Umsatzplus eine nachhaltige Wende einleitet oder lediglich als Strohfeuer betrachtet werden kann.

    „Das leichte Umsatzplus der deutschen Industrie ist in erster Linie einer Branche zu verdanken – der Metallindustrie“, sagt Jan Brorhilker, Managing Partner des Geschäftsbereichs Assurance von EY in Deutschland. „Die meisten anderen Branchen bleiben hingegen im Rückwärtsgang.“

    Die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen zur Unterstützung der Industrie zeigen bisher kaum Wirkung. Brorhilker betont, dass der Industriestrompreis und die Senkung der Körperschaftssteuer zwar wichtige Schritte sind, sie jedoch erst in Zukunft greifen werden und nicht zur Lösung der gegenwärtigen Probleme beitragen. Geopolitische Konflikte, wachsender Protektionismus und Handelsstreitigkeiten belasten die Unternehmen zusätzlich. Diese Faktoren führen zu einem Mangel an Zuversicht und Vertrauen in den Standort Deutschland.

    „Ohne Investitionen gibt es keinen Aufschwung – in diesem Teufelskreis steckt die Industrie derzeit fest“, so Brorhilker weiter. Die Bereitschaft der Unternehmen, radikale Einschnitte vorzunehmen, wächst, während die Sorge um einen Fachkräftemangel angesichts der schwachen Auftragslage und des zunehmenden Wettbewerbsdrucks in den Hintergrund tritt.

    Die Überkapazitäten in der Industrie müssen abgebaut werden, um wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben. Brorhilker warnt vor weiteren Jobverlusten, da viele Unternehmen über unausgelastete Produktionsstätten verfügen, die hohe Kosten verursachen. „In vielen Branchen besteht die Möglichkeit, dass die Schließung ganzer Werke diskutiert wird“, erklärt er. Sollte sich die Lage nicht spürbar verbessern, könnte dies die einzige Option sein, um die wirtschaftliche Stabilität zu sichern.

    Die regionalen Auswirkungen des Beschäftigungsabbaus sind unterschiedlich. Stark industriell geprägte Regionen erleben derzeit einen Strukturwandel, der die Arbeitslosigkeit steigen lässt und die Perspektiven für Schul- und Hochschulabsolventen trübt. Kommunale Steuereinnahmen sinken, was weitreichende Folgen für die gesamte regionale Wirtschaft hat.

    Trotz der Herausforderungen gibt es positive Signale von der Inlandsnachfrage. Diese ist im ersten Quartal um 1,6 Prozent gestiegen, während die Exporte insgesamt um 1,9 Prozent zulegten. Besonders die Exporte in die Eurozone stiegen um 4,3 Prozent. „Die Nachfrage aus dem europäischen Ausland bringt stärkere Wachstumsimpulse als die Inlandsnachfrage“, beobachtet Brorhilker. Allerdings kann eine steigende Nachfrage in Europa die Probleme in den USA und China nicht dauerhaft wettmachen, die für die deutsche Industrie lange Zeit wichtige Wachstumsmärkte waren.

    „Die Globalisierung wird aktuell zurückgedreht, wirtschaftlicher Nationalismus und Handelskriege stellen das Geschäftsmodell des Standorts Deutschland auf eine harte Probe“, schließt Brorhilker. Viele Unternehmen müssen noch Lösungen für diese Herausforderungen finden, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

  • Österreichische KMU erwirtschaften trotz Wirtschaftsflaute 730 Millionen Euro über Amazon

    Österreichische KMU erwirtschaften trotz Wirtschaftsflaute 730 Millionen Euro über Amazon

    LGR Reutlingen – 27 Mai 2026 | Österreichs kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zeigen sich trotz der aktuellen Wirtschaftsflaute resilient und haben im Jahr 2025 über Amazon beeindruckende 730 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies wurde in einem aktuellen Bericht von Amazon und der Wirtschaftskammer Österreich bekanntgegeben. Die Zahl der über die Plattform verkauften Produkte überstieg die 20 Millionen-Marke, und diese wurden in mehr als 150 Länder exportiert. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der Exportumsätze, der um 6 Prozent auf 641 Millionen Euro gewachsen ist, was im Vergleich zu 2020 einen Anstieg von mehr als 45 Prozent darstellt.

    Yorck von Mirbach, Country Lead für Österreich und die Schweiz bei Amazon, betont die unternehmerische Stärke der österreichischen KMU: „Die österreichischen KMU, die über Amazon verkaufen, beweisen Jahr für Jahr, dass Widerstandsfähigkeit kein Zufall ist, sondern das Ergebnis von unternehmerischem Mut, Innovationskraft und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen.“ Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung von Innovation und Anpassungsfähigkeit in herausfordernden Zeiten.

    Die Daten stammen aus dem KMU Impact Report, der die Erfolge der heimischen Unternehmen auf der Plattform dokumentiert. Über 95 Prozent der österreichischen Unternehmen, die Amazon nutzen, exportieren international, was die globale Reichweite und die Wettbewerbsfähigkeit dieser Firmen verdeutlicht.

    Starke Investitionen von Amazon in Österreich

    Seit 2016 hat Amazon in Österreich beachtliche Investitionen in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro getätigt. Allein im Jahr 2025 flossen rund 265 Millionen Euro in den österreichischen Markt. Diese Investitionen zeigen sich auch in der beeindruckenden Verkaufsdynamik: Mehr als 40 Produkte pro Minute werden von österreichischen Unternehmen über Amazon an Kunden weltweit verkauft. Um die Rahmenbedingungen für seine Partner weiter zu verbessern, kündigte Amazon Anfang 2026 eine Senkung der Gebühren an, die die Kosten pro verkaufter Einheit im Durchschnitt um 17 Cent reduzieren soll.

    Ein wesentlicher Teil des Erfolges österreichischer KMU ist der EU-Binnenmarkt, der laut den aktuellen Zahlen etwa 83 Prozent des Exportvolumens ausmacht. Mit 533 Millionen Euro sind die wichtigsten Exportmärkte Deutschland, die USA, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich. Diese Märkte sind für die österreichischen Unternehmen von zentraler Bedeutung und bieten große Wachstumschancen.

    Besonders beeindruckend ist, dass mehr als 75 Prozent der österreichischen KMU, die über Amazon verkaufen, außerhalb Wiens ansässig sind. Gemeinsam erzielten sie einen Exportumsatz von über 440 Millionen Euro, was die regionale Diversität und die Stärke des ländlichen Unternehmertums in Österreich unterstreicht.

    Die positive Entwicklung der österreichischen KMU über Amazon ist ein ermutigendes Zeichen in einer Zeit, in der viele Branchen mit Unsicherheiten und Herausforderungen konfrontiert sind. Die Fähigkeit, sich an sich verändernde Marktbedingungen anzupassen und innovative Lösungen zu finden, wird entscheidend sein, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zahlen aus dem KMU Impact Report nicht nur die Widerstandsfähigkeit der österreichischen KMU verdeutlichen, sondern auch auf die strategische Bedeutung von Online-Vertriebskanälen hinweisen. In einer zunehmend digitalisierten Welt ist die Fähigkeit, sich schnell an neue Gegebenheiten anzupassen, sowie die Nutzung internationaler Märkte entscheidend für das Wachstum und den langfristigen Erfolg dieser Unternehmen.